Lieber optimal als perfekt: Optimalismus

Das Streben nach Perfektion ist schon fast zum Trend geworden – obwohl wir insgeheim wissen, dass es absurd ist. Optimalismus ist das gesunde Gegenstück zum Perfektionismus: unser Bestes geben und trotzdem Raum für die Realität des Lebens lassen.

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Nichts und niemand ist perfekt. Im Grunde wissen wir das ja. Und trotzdem ertappen wir uns immer wieder dabei, den Maßstab der Perfektion anzuwenden – nur um dann doch wieder enttäuscht zu werden. Der perfekte Urlaub, das perfekte Outfit, der perfekte Partner, das perfekte Haus, der perfekte Job … nichts davon existiert und trotzdem suchen wir allzu oft danach. Wir tragen den Titel „Perfektionist“, als wäre es eine Ehrenauszeichnung, obwohl er in Wahrheit nur auf eine ziemlich verdrehte Weltanschauung und ein Rezept zum Unglücklichsein hindeutet.

Der Preis des Perfektionismus: Unzufriedenheit & Prokrastination

Perfektionismus klingt oft ein bisschen nach Gewissenhaftigkeit, hohen Ansprüchen und Erfolg. Hinter der „perfekten“ Fassade verstecken sich aber eine ganze Reihe unerwünschter Nebenwirkungen. Einerseits ist für „Perfektionisten“ nichts jemals gut genug. Ob in Bezug auf die Selbstoptimierung, die Mitmenschen, den Wohnort, den Job oder das Leben allgemein – wer „perfekt“ als Messlatte verwendet, wird immer zu kurz kommen. Perfektion ist einfach nicht realistisch. Und solange wir danach streben, werden wir nie zufrieden sein. Perfektionismus ist also ein garantiertes Hindernis zum Glücklichsein

Abgesehen davon beeinflusst das Streben nach Perfektion auch unser Verhalten. Das kann natürlich alle möglichen Ausprägungen haben, aber zusammenfassend artet es meist in eines von zwei Extremen aus: Entweder wir bleiben in der „Immer mehr, immer besser, immer schneller“-Mentalität stecken und setzen uns so lange dem damit verbundenen Stress aus, bis wir daran zerbrechen. Ein Burnout ist für die meisten Perfektionisten, die sich nicht rechtzeitig eines Besseren belehren lassen, vorprogrammiert. Da kann ich selbst ein Lied davon singen. Dass Perfektionismus nicht gesund ist, musste ich selbst auf die harte Tour lernen.

Auf der anderen Seite kann Perfektionismus aber auch zu „Aufschieberitis“ führen. Es kann unglaublich einschüchternd sein, etwas „perfekt“ machen zu wollen. Und nachdem wir zumindest unterbewusst wissen, dass das sowieso nicht möglich ist, fangen wir lieber erst gar nicht an. Oder: Wir beginnen zwar, verlieren aber schnell die Motivation. Wenn ich zum Beispiel den Anspruch von Perfektion an diesen Artikel stelle, werde ich ihn nie fertigstellen. Irgendwas lässt sich immer noch verbessern. Irgendwas „fehlt“ immer. Falls Sie gerne in diese Falle des Perfektionismus tappen, kann dieses Credo als Ausweg dienen: „Done is better than perfect“ (zu Deutsch: „Besser erledigt als perfekt“).

Das gesunde Gegenstück zu Perfektionismus: Optimalismus

Stichwort Ausweg: Eine schöne, und vor allem auch gesunde sowie realistische Alternative zu Perfektionismus ist Optimalismus. Wie das Wort schon vermuten lässt, geht es dabei nicht darum, etwas perfekt zu machen, sondern eben optimal – so gut wie möglich. Die Perfektionisten unter Ihnen werden sich jetzt vielleicht denken: „Was soll das denn heißen? ‚So gut wie möglich‘ ist ja vollkommen subjektiv!“ Richtig. Und genau das ist auch der Sinn der Sache.

Optimalismus lässt Platz für all das, das Perfektionismus stur zu ignorieren versucht: Einflüsse von außen, ungeplante Ereignisse, die individuelle Tagesverfassung … – die Realität des Lebens, die nun mal nicht perfekt ist. Optimalismus sagt: Nimm es so, wie es ist, und mach’ das Beste draus! Er schafft Raum für Flexibilität, Wachstum, Menschlichkeit. Optimalismus schätzt den Input des Einzelnen, ohne krampfhaft am Endresultat festzuhalten. Er orientiert sich an Intentionen als Richtungsweiser anstatt an Zielen als fixierten Destinationen.

Grundvoraussetzungen für Optimalismus: Ehrlichkeit & Eigenverantwortung

„Aber woher weiß man denn, dass jemand sein Bestes gibt, wenn man die Leistung nicht am Ergebnis misst?“, höre ich meine Perfektionisten-Freunde rufen. Die Antwort lautet: Als Außenstehender weiß man es nicht (wobei man es mit ein bisschen Menschenkenntnis durchaus erahnen kann). Optimalismus erfordert Ehrlichkeit – sich selbst und anderen gegenüber. Das große Stichwort ist die Eigenverantwortung, die Jordan Peterson in seinem Buch „12 Rules for Life“ zu Recht propagiert.

Denn im Grunde ist man ja immer nur sich selbst Rechenschaft schuldig. Und wenn man ehrlich zu sich selbst ist, weiß man immer, ob man – den Umständen entsprechend – sein Bestes gibt. 

Ich weiß, ob ich heute lieber „nur“ spazieren anstatt laufen gehe, weil mein Körper Erholung braucht oder weil der innere Schweinehund Überhand gewonnen hat. Ich weiß, ob ich mich nach dem Weckerläuten noch mal umdrehe, weil ich es brauche oder weil ich keinen Bock habe aufzustehen. Ich weiß, ob ich die Deadline eines Projektes verschiebe, weil sie nicht realistisch war oder weil ich nicht rechtzeitig angefangen habe. Ich kenne den Unterschied zwischen Müdigkeit und Faulheit, zwischen Ruhebedarf und Prokrastination. Und Sie kennen ihn auch, wenn Sie ehrlich und eigenverantwortlich agieren.

Optimalismus ist nicht dazu da, sich selbst oder gar andere zu belügen. Er ist dazu da, einen realistischen Maßstab zu setzen und sich an diesem zu orientieren.

Achtung, positive Nebenwirkungen!

Zusammenfassend erlaubt Optimalismus genau das, was Perfektionismus verhindert: Zufriedenheit. Wenn wir ehrlich sagen können, unser Bestes gegeben zu haben, können wir zufrieden sein – und zwar unabhängig davon, was dabei herausgekommen ist. Optimalismus legt den Fokus auf das, was wir kontrollieren können – unseren individuellen Beitrag – anstatt auf das, was von unzähligen anderen Faktoren abhängt: das Endergebnis. Und sich auf das zu konzentrieren, was wir beeinflussen können, macht nicht nur jede Menge Sinn, sondern reduziert auch unnötigen Stress.

In diesem Sinne: Wie sieht „optimal“ heute für Sie aus?

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