Insekten zum Frühstück

Die Weltbevölkerung braucht mehr Proteine. Ernährungs- und Umweltexperten sehen Insekten daher als Nahrungsmittel der Zukunft – weniger Verschmutzung, weniger Platz, einfache Zucht. Aber was tun gegen den Igitt-Faktor? Und welche Produkte gibt es bereits?

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Wir befinden uns an einem wichtigen Punkt in der Lebensmittelerzeugung. Während der Proteinbedarf weltweit stark steigt, machen uns Treibhauseffekt und Umweltverschmutzung zu schaffen, mit der tierischen Landwirtschaft als einem der größten Schadstoffproduzenten. Ernährung ist ein brisantes Thema. Zwar trägt eine vegetarische oder vegane Ernährung maßgeblich zum Umweltschutz bei, für viele Menschen ist der Verzicht auf tierische Proteine jedoch keine Option. Sechsbeinige Krabbler könnten hier Abhilfe schaffen. Denn sie sind wahre Wunderwaffen im Kampf gegen Nahrungsmittelverschwendung, Waldrodung für Nutzvieh und steigende Emissionen.

Von Biomasse und Kleinvieh

Insekten machen den größten Anteil an der weltweiten Biomasse aus. Das bedeutet: Platzierte man alle Ameisen, Schmetterlinge, Käfer und Co. auf einer Seite einer gigantischen Waage und stapelte in die gegenüberliegende Waagschale alle Blauwale, Hängebauchschweine und Hochlandrinder dieser Erde, gewännen die Insekten mit großem Abstand. Insekten sind anpassungsfähig, vermehren sich schnell und haben kurze Generationswechsel. Wird ein Mensch schwanger, gibt es neun Monate später zumindest einen Menschen mehr. Wird eine Schwarze Soldatenfliege “schwanger“, lebt sie zwei Wochen später zwar schon nicht mehr, allerdings hat sie davor bis zu tausend Nachkommen in die Welt gesetzt. Eine Rechnung, die aufgeht. Oder wie meine Oma beim Kartenspielen immer zu sagen pflegte: Kleinvieh macht auch Mist. Aber: Welche Insekten sind eigentlich essbar?

Fliegen, Larven, Würmer

Von den Tausenden von Insektenarten, die von Ottakring bis ins Amazonasbecken krabbeln, flattern und kriechen, sind ein ganzer Haufen auch für den Menschen essbar. Aber genauso wie in der (Groß-)Tierzucht gibt es auch bei Insekten sogenannte High-Performer. Die Formel-1-Autos unter den Sechsbeinern, was Ertrag und Geschmack betrifft, sind vor allem Mehlwürmer, Heuschrecken und Grillen sowie Fliegenlarven. Aus ihnen entstehen unterschiedliche Produkte. Die Industrie weiß, dass wir als Spezies auf hochwertige Proteine angewiesen sind. Werden Heuschrecken und Grillen bereits jetzt im Ganzen als Snacks angeboten, stellen findige Firmen aus Mehlwürmen und Fliegenlarven auch Proteinmehle her, die im Anschluss zu anderen Produkten wie Insektenburgern oder Proteinshakes verarbeitet werden können oder als Beigabe und Aufwertung anderer Lebensmittel dienen.

Würmchen auch für Bello?

Weitere Anwendungsbereiche der Krabbeltiere finden sich in der Nutztiermast und der Haustierverpflegung. Momentan wird ein beträchtlicher Teil des aus den Weltmeeren geholten Fischs direkt zu Futter für Zuchtfische verarbeitet, da diese auf tierische Proteine angewiesen sind. Das Umsatteln auf insektenbasiertes Futter könnte ein Grundpfeiler gegen die Überfischung der Weltmeere werden. Auch Schweine, Hühner und sogar Hunde können mit insektenbasiertem Futter gefüttert werden. Während Zulassungen für Huhn und Schwein noch am Laufen sind, gibt es bereits Hundefutter, das allergischen Vierbeinern bei der Linderung ihrer Unverträglichkeiten hilft.

Was bringt’s?

Jetzt aber mal ehrlich: Wie kann ein Kilo Würmchen-Eiweiß so viel umweltfreundlicher sein als ein Kilo Eiweiß aus Nutztieren wie Rind, Schwein und Hendl? Das ist einfach erklärt. Zum einen haben Insekten schnelle Generationswechsel und vermehren sich in der richtigen Umgebung exponentiell. Weiters dienen sie als regelrechte Vernichtungsmaschinen für Überbleibsel aus der Lebensmittelproduktion. Sie fressen Brauereiabfälle, Reste aus Getreidemühlen oder aus der Bioethanolherstellung. Kurz gesagt: So gut wie alles, was in den Biomüll kommt, könnte genauso gut im Futtertrog vieler Krabbeltiere landen. Die Effizienz, also wie viel pflanzliches Futtereiweiß es braucht, um tierisches Eiweiß in Form von Larven herzustellen, ist jener in der Rinderzucht um den Faktor zehn überlegen. Und: Sie brauchen kaum Platz, denn sie können in Lagerhallen statt in die Fläche in die Höhe gezüchtet werden (Vertical Farming nennen das die Experten). Und es kommt im Vergleich zu Säugern wie Rindern oder Schweinen kaum zu Emissionen – quasi fünf Fliegen(larven) mit einer Klappe. Aber wie ist das jetzt mit Produkten für den Endverbraucher?

Chips mit Beinchen

So recht aus der Kuriositätenecke haben es die Würmchen noch nicht geschafft, zumindest nicht in den westlichen Ländern. In Teilen Asiens gelten Insekten seit jeher als Nahrungsmittel. Und das ganz zu Recht. Denn auch geschmacklich sind sie durchaus interessant. Der Geschmack von Heuschrecken ähnelt jenem von Huhn. Grillen und Heimchen nehmen vor allem die Gewürze an, in denen sie geröstet werden. Findige Insektenzüchter füttern ihren Tieren vor dem „Ernten“ – so nennt sich die Schlachtung von Insekten – Chili, sodass sie nach dem Rösten eine natürliche Schärfe besitzen. Und ein deutsches Start-up, das in Bayern Grillen züchtet, bezeichnet den Geschmack als „ein bisschen wie Chips mit Beinchen“. Aber die Insekten sollen nicht nur im Ganzen als Lebensmittel verkauft werden. Denn genau darin liegt die größte Hürde im nachhaltigen Proteinsnack: Den meisten graust’s.

Insektenburger und Larvenshakes

Den richtigen Durchbruch erhoffen sich Insektenzüchter, wenn die Heuschrecke aus dem Raritätenregal in die Fertiggerichteabteilung wandert. Wenn aus Grillen Burger-Patties und aus Mehlwürmern Proteinshakes werden. Denn da muss man sich die Haxerl im Mund nicht vorstellen und auch das Gewusel in der Wurmbox nicht vor Augen haben. Lokale, die Insekten auf der Speisenkarte haben, gibt es bereits. Sogar Kochkurse mit Insekten kann man besuchen. Diese Angebote können dazu beitragen, die Idee der Entomophagie (des Insektenessens) anschlussfähig zu machen. Gerade bei Kuriositäten passiert viel Werbung über Mundpropaganda.

Umdenken und genießen

Noch ekeln sich viele vor dem Gedanken, sich eine Grille in den Mund zu stecken. Dasselbe galt aber bis vor 20, 30 Jahren auch für Shrimps und Meeresfrüchte. Vor allem im ländlichen Bereich hatten sich diese noch nicht so recht durchgesetzt und vielen wurde grün um die Nase, wenn neben ihnen jemand „so einen Wurm“ verspeist hat. Wie triumphal sich das anfühlte, als mein Bruder und ich – beide noch Dreikäsehochs – beim Neujahrssektfrühstück vor 25 Jahren einen unserer erwachsenen Gäste dazu überreden konnten, endlich einen Cocktailshrimp zu probieren. Das stimmt mich hoffnungsvoll, dass auch Insekten ihren Einzug in unseren Speiseplan halten werden. Damit wäre der Umwelt geholfen – und vielen Nutztieren ebenfalls.

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