Die Kunst des Nichtstuns

Der holländische Begriff „Niksen“ ruft uns in Erinnerung, dass wir das Nichtstun heute fast verlernt haben. Warum es uns guttut, einfach mal nichts zu machen, wie man damit anfängt und was überhaupt zum Nichtstun zählt.

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Einfach mal nichts tun? Klingt einfach, das kann ich! Zumindest habe ich das gedacht, als ich zum ersten Mal vom niederländischen Lifestyletrend „Niksen“ gehört habe. Eigentlich habe ich ohnehin immer mal wieder das Gefühl, nicht produktiv genug zu sein. Schnell musste ich allerdings feststellen, dass ich ganz schön falsch gedacht habe. Wirklich nichts zu tun, ist viel schwieriger als angenommen. Und das sogenannte „Niksen“ ist viel mehr als einfach nur ein Lifestyletrend.

Was?

Im deutschen Sprachraum macht „Niksen“ seit nicht allzu langer Zeit die Runde. In den Niederlanden ist der Begriff aber gar nicht neu, seine Bedeutung aber schon! Ursprünglich wurde das Wort eher abwertend benutzt, um Nichtsnutze und Faulenzer zu beschreiben. Schließlich galt Nichtstun auch die längste Zeit fast schon als verwerflich. Pausen von der produktiven Arbeit sollten doch bitte möglichst effizient genutzt werden, am besten zur Selbstoptimierung – zum Beispiel mit Yoga oder Meditation. Während diese Methoden freilich viel zu unserem Wohlbefinden beitragen können, erfordern sie trotzdem unsere Konzentration und sind weit entfernt vom Nichtstun. Dabei sollten wir unserem Kopf viel öfter ein bisschen Leerlauf gönnen und uns von der Angst vor Langeweile befreien.

Warum?

Leider ist es aber gar nicht so einfach, die mentale To-Do-Liste stummzuschalten. Kaum legt man sich aufs Sofa, denkt man an die E-Mail, die man eigentlich noch schreiben müsste. Am Wochenende geht man im Geiste schon mal die Aufgaben der nächsten Woche durch. In der Pause wird der Computerbildschirm einfach gegen den Smartphone-Screen getauscht, damit wir immer auf dem Laufenden bleiben. Treffen mit Freunden und Familie müssen im Terminkalender Platz finden und selbst der Urlaub will sorgfältig geplant und mit Aktivitäten durchgetaktet sein. Die vergangenen Monate, in denen viel mehr Menschen als zuvor von zu Hause gearbeitet haben, haben das Leben in dieser Hinsicht auch nicht gerade einfacher gemacht. Homeoffice mag erst einmal entspannter und fast schon gemütlich klingen, aber die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen dabei viel leichter. Abschalten? Fehlanzeige!

Mehr Liebe für Langeweile

Dabei ist man sich in der Wissenschaft längst einig, dass unser Gehirn immer wieder richtige Ruhepausen braucht, um Dinge besser speichern und verarbeiten zu können, motiviert zu bleiben und kreativ zu sein. Das ist auch die Erklärung dafür, dass uns die besten Ideen häufig in Situationen kommen, in denen wir uns gar nicht bewusst damit beschäftigen – zum Beispiel kurz vorm Einschlafen, in der Dusche oder beim Geschirrabwaschen. Sind wir gelangweilt, sucht sich unser Gehirn eine geeignete Stimulation. So entstehen oft ganz neue Einfälle. Nichtstun tut also nicht nur einfach gut, sondern macht uns auch einfallsreicher und leistungsfähiger. 

Dieses Argument sollte eigentlich auch absolute Workaholics davon überzeugen, einfach mal nichts zu tun. Aber wie damit anfangen?

Wie?

In allererster Linie geht es beim „Niksen“ darum, etwas zu tun, ohne ein bestimmtes Ziel anzustreben oder einen Zweck zu verfolgen. Machen Sie sich frei von dem Gefühl, etwas erreichen zu müssen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Ich lese zum Beispiel in meiner Freizeit sehr gerne. Mit der Entspannung ist aber spätestens Schluss, wenn ich unzufrieden bin, weil ich es nicht schaffe, ein Buch am Wochenende zu beenden. Und auch für lange Zugfahrten packe ich lieber genug Lesestoff ein, statt einfach mal aus dem Fenster zu starren und die Landschaft zu beobachten. Unser Denken ist selbst abseits der Arbeit oft sehr ergebnisorientiert. Dabei haben viele von uns verlernt, einfach nur den Moment zu genießen.

Einfach anfangen

Aber keine Sorge, Sie müssen beim „Niksen“ nicht einfach nur Löcher in die Luft starren. Sanfte Freizeitbeschäftigungen, die unseren Geist nicht zu sehr beanspruchen und vom Alltag ablenken, sind ein guter Einstieg ins absolute Nichtstun. 
Lassen Sie Ihre Gedanken zum Beispiel beim Handarbeiten schweifen, zeichnen Sie, was Ihnen gerade in den Sinn kommt, oder versuchen Sie sich an einem Puzzle – aber bitte ohne Ehrgeiz und Druck! 

Auch ein Spaziergang ist eine gute Möglichkeit, das Gehirn im wahrsten Sinne des Wortes ein bisschen auszulüften. Beim Waldbaden profitieren Sie ganz nebenbei auch noch von verborgenen Kräften der Natur. Wichtig: Es geht nicht um körperliche Fitness und die Route, die Sie wählen, ist eigentlich gar nicht wichtig. Der Weg ist das Ziel.

Nichtstun für Fortgeschrittene

Für das nächste Level des Nichtstuns halten Sie selbst Hände und Füße still. Legen Sie sich zum Beispiel einfach aufs Sofa und lassen Sie den Gedanken freien Lauf, ohne sie in irgendeine Richtung zu steuern. Mir macht es Musik einfacher, den Alltag auszublenden. Gönnen Sie sich doch auch einfach einmal eine Stunde mit Ihrer Lieblingsplaylist, ohne nebenbei irgendetwas zu tun. 

Das Wetter hat Ihren Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht? Nutzen Sie den nächsten Regentag doch auch für eine Portion „Niksen“. Wann haben Sie zuletzt einfach die Tropfen auf der Fensterscheibe beobachtet? Das geht zu Hause, im Büro oder unterwegs im Bus und ist garantiert entschleunigend. 

Bei schönem Wetter setze ich mich gerne auf eine Parkbank und beobachte Blätter im Wind, Vögel oder auch Passanten. Wenn ich das Gefühl habe, dass mir das zu langweilig wird, denke ich mir Geschichten zu ihren Gesichtern aus – einfach so, ganz ohne die Absicht, sie irgendwann niederzuschreiben. 

Für mich hat es sich anfangs fast schon falsch angefühlt, einfach absolut nichts Produktives zu tun. Mittlerweile weiß ich, wie wichtig Auszeiten für den Kopf sind, um geistig fit und emotional ausgeglichen zu bleiben, besser zu schlafen und weniger gestresst zu sein. Am Beginn hat es mir geholfen, die Pausen ganz bewusst zu planen. Zuerst waren es nur fünf Minuten am Tag, mittlerweile „nikse“ ich schon mal einen ganzen Nachmittag vor mich hin. Denn manchmal ist nichts zu tun am allernützlichsten. 

UNSERE BUCHTIPPS: 

  • Annette Lavrijsen: Niksen: Wie man Glück im Nichtstun findet. 2021
  • Olga Mecking: Niksen – Vom Glück des Nichtstuns. 2021
  • Maartje Willems, Lona Aalders: Niksen – Es lebe das Nichtstun. 2021

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