Das Gesäuse: ein Sonnenaufgang der Extraklasse im Nationalpark

Früh das Bett verlassen lohnt sich?! Warum ich mir öfter den Wecker viel zu bald stelle und ich es immer wieder tun würde.

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Um 1:00 Uhr, mitten in der Nacht, klingelt der Wecker. Zum Glück habe ich meinen Rucksack am Abend davor schon gepackt, denn so müde wie ich bin, würde ich nun bestimmt einiges zu Hause vergessen. Ein kurzer Check: Rucksack, Wanderschuhe, Stöcke … alles da. Kofferraum zu, und los geht’s. Die Spannung steigt schon auf der Autobahn – wird der Himmel auch in der Steiermark so schön klar, wie in Oberösterreich, sein oder ziehen Wolken auf? Ausfahrt Admont, ein kurzer Blick aus dem Fenster, ich sehe die Sterne schimmern, ich muss lächeln.

Ganz schön dunkel hier

Mit Rucksack am Rücken und Stirnlampe am Kopf wandern wir los. Langsam ansteigend die Forststraße entlang, immer begleitet vom Rauschen des Wassers durch den Gofergraben. Wahnsinn, wie dunkel es hier ist! Immer wieder schalte ich meine Stirnlampe aus und versuche einen Blick auf die umliegenden Berge zu erhaschen, aber es ist nichts zu erkennen, völlige Dunkelheit. Je höher wir kommen, desto leiser wird das Rauschen des Gebirgsbaches und wir tauchen ein in die Geräuschkulisse der Tierwelt bei Nacht hier im Nationalpark. Zugegeben, es ist etwas unheimlich und ich bin froh, nicht allein zu sein. Plötzlich endet die Forststraße und wir suchen in der Finsternis, vorbei an kleinen Jagdhütten, den unmarkierten Steig Richtung Gipfel.
Gefunden, nun wird’s anstrengend. Achtsam und doch flott folgen wir dem kleinen Weg quer durch einen steilen Wald.

Sonnenaufgang ist meine Lieblingsfarbe

Ganz unbemerkt hat sich der Horizont in ein zartes Rosa-Orange gefärbt und ich kann nun endlich die Konturen der so wunderschönen Berge rund um mich erkennen: der Admonter Reichenstein, Großer Buchstein und wie sie alle heißen. Ich bin immer wieder beeindruckt von dieser Kulisse. Das Gelände wird nun immer steiler und wir kommen zur „Schlüsselstelle“, zu einem kleinen seilgesicherten Abschnitt, bei dem Vorsicht geboten ist. Wir lehnen unsere Wanderstöcke an einen Baum, um bei dieser Kletterei die Hände frei zu haben. Die letzten Meter zum Gipfel sind felsig und erfordern noch einmal unsere volle Aufmerksamkeit. Dann ist es so weit – „Berg heil“ auf der Haindlmauer!

Schau hin, sie kommt!

Etwas verschwitzt, aber überglücklich lasse ich mich neben dem Gipfelkreuz auf einem Felsvorsprung niedersinken und trinke erst einmal einen großen Schluck Wasser – anschließend umziehen und warten. Mit frischem T-Shirt und kuscheliger Fleecejacke machen wir es uns gemütlich, Schoko-Cookies und Kaffee aus der Thermoflasche – unser Frühstück am Berg. Den Blick auf den immer farbintensiver werdenden Horizont gerichtet, merke ich, wie meine Vorfreude von Sekunde zu Sekunde steigt. Und dann – kurz muss ich meine Augen zukneifen – bricht sie über den Bergkamm, „Hallo Sonne“. Dieses Schauspiel. Ich beobachte, wie die Strahlen die Dunkelheit aus dem Tal, aus dem wir aufgestiegen sind, vertreiben. Mir wird warm, ich schließe die Augen und genieße die Kraft und die Energie, die dieser neue Tag mit sich bringt. Unbeschreiblich. Die Momente, an denen ich gerne die Zeit anhalten möchte. Eine Weile bleibe ich sitzen, einfach so, mit geschlossenen Augen und zur Sonne gerichtetem Gesicht.

Sauber machen und Danke sagen

Mit dem Auflösen der letzten kleinen Nebelfelder im Tal packen wir unsere Rucksäcke zusammen; ich bin da sehr penibel und schaue lieber dreimal, ob ich auch wirklich nichts zurücklasse. Ich möchte, dass noch viele weitere Menschen diesen wunderbaren Ort so genießen können. Im Übrigen habe ich auch immer ein Müllsäckchen im Rucksack und sammle auch oftmals Liegengelassenes oder Verlorengegangenes ein. Ein letztes Mal genieße ich den Anblick des mächtigen Gebirgsstocks gegenüber, dann geht es auch schon steil hinunter. Wieder vor dem seilgesicherten Abschnitt, stellt sich ein ganz anderes Gefühl als beim Aufstieg ein: Beeindruckt blicke ich die Hunderte Meter lange Geröll-Rinne hinunter, die ich zuvor so in der Dunkelheit gar nicht wahrgenommen hatte. Die Wanderstöcke eingesammelt geht es flott weiter bergab den Wiesenrücken entlang bis wir im Wald verschwinden.

Xeis-Kipferl muss sein

Mit dem lauter werdenden Rauschen des Gebirgsbaches nähern wir uns auch schon dem Auto. Mittlerweile ist ganz schön was los hier, mehrere Wanderer suchen an so einem sonnigen Tag den Weg in den Nationalpark. Aber auch beim Klettern, Rafting, Canyoning oder einfach nur Spazierengehen kommt man hier voll auf seine Kosten. Ein wunderbares Gebiet in dem man noch viel unberührte Natur erleben darf.
Kofferraumklappe zu und ab nach Hause? Nein, so schnell geht es dann doch nicht, denn mittlerweile ist es zur Tradition geworden, uns bei jedem Besuch im schönem „Gesäuse“ ein „Xeis-Kipferl“ zu holen – das Nusskipferl aus einer traditionsreichen Konditorei in Admont.

Bis ganz, ganz bald du schönes „Xeis“

„Gesäuse gibt Kraft“ – diesen Slogan des Nationalparks kann ich so nur unterschreiben.
Trotz des Aufstehens mitten in der Nacht, einer längeren Anfahrt und eines anstrengenden Aufstiegs fühle ich mich nach diesem Erlebnis kein bisschen müde. Ganz im Gegenteil – ich plane schon meinen nächsten Besuch hier. Vielleicht eine weitere Wanderung zum Sonnenaufgang? Ein Besuch in einer der Klammen in den Wildalpen? Oder auch mal eine Übernachtung in einer der so schön gelegenen Hütten hoch oben? Noch kann ich mich nicht entscheiden, nur eines ist klar: Ich war nicht zum letzten Mal hier. See you soon.

Ein besonderes Erlebnis

Unglaublich, wie viel Kraft und Energie ich aus solch einem Abenteuer ziehen kann. Meinen Tag so zu beginnen, ist etwas ganz Besonderes; ich kann es nur jedem empfehlen, einmal die ersten Sonnenstrahlen des Tages hoch oben einzufangen. Dieses Gefühl von Freiheit und das Lächeln, das ich danach mit nach Hause nehme, sind unbezahlbar. Vielleicht sehen wir uns am nächsten Gipfel?
 

Gastautorin: Kristin Adlberger | @kristin.outdoor

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