Schöner Flicken mit Visible Mending

Oh Schreck, ein Fleck! Oder noch schlimmer: ein Loch im Lieblingspullover? Wir verraten, wieso kaputte Kleidung nicht nur eine zweite Chance verdient, sondern auch das Zeug zum stylishen Unikat hat.

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Man holt das T-Shirt aus der Waschmaschine und stellt fest, dass der lästige Fleck immer noch da ist und sich auch mit allen bekannten Hausmittelchen nicht entfernen lässt. 
Man bleibt mit dem Pullover an einer scharfen Kante oder einem spitzen Gegenstand hängen und schon hat er ein Loch, das sich nicht verbergen lässt. 
Man freut sich, dass die Lieblingsjeans immer noch passt, macht eine falsche Bewegung und hört ein unheilvolles Geräusch, nur um dann festzustellen, dass die Hose einen Riss hat. 
Die Kinder kommen mit durchgescheuerten Knien an der Hose vom Spielen nach Hause. 

Solche und ähnliche Situationen kennen wir wahrscheinlich alle. So ein Malheur muss aber nicht unbedingt bedeuten, dass Sie sich sofort einen Ersatz kaufen müssen. Wie wäre es, wenn Sie es stattdessen mal mit der kreativen Reparatur Ihrer Kleider versuchen?

Umwelt- und modebewusst

Lange galt das Flicken vermeintlich ausgedienter Kleidungsstücke fast schon als verpönt. Immerhin macht es uns die Fast-Fashion-Industrie leicht wie nie, jederzeit neue Garderobe zu erschwinglichen Preisen zu kaufen. So verlockend die Angebote sind – auf Dauer kann das trotzdem die Geldbörse belasten und leider auch die Umwelt. Reparieren schont hingegen nicht nur Ressourcen, sondern verwandelt Outfits von der Stange in unverwechselbare Einzelstücke. Nicht zuletzt deshalb ist das sogenannte Visible Mending immer beliebter. Übersetzen lässt sich der Begriff mit „sichtbarem Ausbessern“. Denn im Gegensatz zum klassischen Flicken, bei dem hinterher möglichst nichts mehr davon zu sehen sein sollte, geht es bei dem DIY-Trend darum, Flecken und Fehler möglichst kreativ zu überdecken und zu optischen Highlights zu machen. Dabei werden Patches aus alten Stoffresten aufgenäht oder individuelle Muster aufgestickt.

Trendige Tradition

Das Prinzip ist natürlich nicht neu. Applikationen, die mit sichtbaren Stichen aufgebracht werden, orientieren sich häufig an der jahrhundertealten japanischen Sashiko-Technik. Sie diente ursprünglich dazu, Arbeiterkleidung wärmer und robuster zu machen. Heute erfreut sie sich vor allem wegen ihres unverwechselbaren Looks auch in westlichen Ländern großer Popularität. Beim Sashiko werden vorwiegend klare Linien und geometrische Muster gestickt und so ein eher clean wirkendes Ergebnis erzielt. Beim modernen Visible Mending muss es aber nicht unbedingt so puristisch zugehen. Erlaubt ist, was gefällt!

Individuell und entspannt

Mit den als typisch japanisch geltenden Eigenschaften wie Geduld, Gewissenhaftigkeit und Perfektion bin ich leider meistens nicht gesegnet. Aber ehrlich gesagt, finde ich das beim Visible Mending gar nicht schlimm. Schließlich darf man den Kleidungsstücken ja ruhig ansehen, dass sie nicht aus fehlerfreier maschineller Produktion stammen. Individuell und kreativ soll’s sein! Und das erreicht man zum Glück auch ohne große Vorkenntnisse in Sachen Nähen. Statt auf makellose Ergebnisse zu setzen, darf man sich beim Visible Mending nach Lust und Laune austoben und profitiert so ganz nebenbei von den positiven Auswirkungen von Handarbeit auf unser Wohlbefinden.

Die Lösung für (fast) jedes Fashion-Problem

Alles, was Sie brauchen, um aus einem beschädigten Kleidungsstück ein neues Lieblingsstück zu zaubern, sind Stoffreste, Stickgarn in mehreren Farben und Sticknadeln in verschiedenen Stärken.

Risse und Löcher lassen sich am besten mit Patches reparieren. Dafür schneiden Sie ein Stoffstück zu, das etwas größer als das Loch sein muss. Den Flicken können Sie entweder auf der Rückseite platzieren oder, wenn Sie es auffälliger mögen, auf der Vorderseite des Kleidungsstücks aufbringen. Anschließend wird die Applikation mit einfachen Stichen festgenäht. Für die Sashiko-Optik sticken Sie anschließend noch ein Muster über den Patch und darum herum. Ob Sie dabei Ton in Ton bleiben möchten oder knallige Kontrastfarben wählen, bleibt ganz dem persönlichen Geschmack überlassen. 

Wer kleine Materialfehler oder Flecken verschwinden lassen möchte, muss nicht unbedingt mit Aufnähern arbeiten. Auch kleine Stickereien können schnell Abhilfe schaffen – von Blümchen über Herzen bis hin zu Schriftzügen ist, je nach Vorliebe und Können, alles möglich. 

Wenn Sie jetzt schon Lust bekommen haben, kreativ zu werden, müssen Sie nicht warten, bis etwas kaputt wird. Mit den Methoden des Visible Mending lassen sich selbstverständlich auch intakte Kleider verschönern. Wer keine passenden Versuchsobjekte im Schrank hat, wird vielleicht beim Secondhand-Shopping fündig.

Tipps von Profis

Darüber hinaus gibt’s natürlich noch jede Menge bewährter Tipps und Tricks, die das Flicken noch einfacher machen. 

Wenn Sie auf sehr festen Stoffen sticken oder nähen möchten, kann es hilfreich sein, das Garn zu verstärken. Wie? Mit Wachs. Wird der Faden vor dem Nähen durch einen Bienenwachsblock gezogen, ist er nicht nur stabiler, sondern gleitet auch viel leichter durch das Gewebe. Bienenwachsblöcke gibt’s in Apotheken, Reformhäusern oder Drogerien zu kaufen. Das lohnt sich vor allem, wenn Sie Jeans reparieren oder aufpeppen möchten. 

Wenn Sie Patches aufnähen oder sich an filigranere Stickereien wagen wollen, sollten Sie darauf achten, den Stoff beim Nähen straff zu ziehen. Helfen kann ein Stickrahmen. Manche DIY-Fans schwören auch auf einen sogenannten Sockenpilz. Vielleicht werden Sie ja, so wie ich, in Großmutters Nähkästchen fündig? Probieren Sie am besten aus, womit Sie besser zurechtkommen, damit der Stoff gespannt und das Visible Mending entspannt bleibt. 

Bei einem meiner ersten Visible-Mending-Versuche habe ich mir den Ärmel einer Bluse vorgenommen, den ich mit einer einfachen Stickerei verschönern wollte. Mit dem Ergebnis war ich ganz zufrieden – bis ich feststellen musste, dass ich mit einigen Stichen den Ärmel zugenäht hatte. Da hilft leider nur auftrennen und wieder von vorne beginnen. Damit Ihnen das nicht auch passiert, können Sie, wenn Sie Ärmel oder Hosenbeine verzieren möchten, ein Stück Pappe zwischen die beiden Stoffschichten legen. So beugen Sie ärgerlichen Überraschungen vor. 

Ihr altes neues Kleidungsstück soll ein detailliertes Muster zieren? Wer nicht einfach freihändig drauflossticken möchte, kann das gewünschte Motiv vorab auf den Stoff zeichnen. Dazu eignen sich sogenannte Schneiderkreide oder spezielle, auswaschbare Stifte, die es in jedem Geschäft für Handarbeitsbedarf gibt. Keine Sorgen, wenn Sie sich doch nicht exakt an die Hilfslinien halten! Nach dem Waschen ist davon nichts mehr zu sehen. 

Worauf warten Sie noch? Wagen Sie sich ans Visible Mending und machen Sie alte Klamotten zu einzigartigen Statement Pieces. Schließlich gibt’s bei kaputten Kleidern nichts zu verlieren.

UNSER BUCHTIPP:

  • Kerstin Neumüller: Verflickt & zugenäht. Kleidungsstücke ausbessern und verschönern. 2019

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