Im Totholz geht die Post ab

Nichts ist so voller Leben wie Totholz. Wer sich wo häuslich einrichtet und wie Schlüsselübergabe zwischen Specht und Siebenschläfer funktioniert, lesen Sie in diesem Artikel.

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In jeden gesunden Wald gehört Totholz. Es ist Zeichen für Naturbelassenheit, ein funktionierendes Ökosystem und kann ganz nebenbei auch richtig schön aussehen. Am bemerkenswertesten ist jedoch die Artenvielfalt, die sich auf und in totem Holz tummelt.

Der Kreislauf des Lebens

Spätestens seit Rafiki aus „Der König der Löwen“ wissen wir um den Circle of Life und dass irgendwie alles miteinander zusammenhängt. Das gilt für die Affenbrotbäume in der Serengeti genauso wie für den Mistkäfer in Unterpremstätten. Wie passgenau die Abertausenden von Zahnrädchen der Natur ineinandergreifen, zeigt Totholz am besten. Denn so tot das morsche Zeug klingt, so lebendig kreucht und fleucht es in seiner unmittelbaren Nähe. Denn Totholz ist Lebensraum und Jause für viele Arten gleichzeitig.

Je toter, desto mehr Leben

Die höchste Biodiversität herrscht dort, wo bereits viel Totes vorhanden ist. In den Zerfallphasen liefert Holz derart viele Nährstoffe und Möglichkeiten zum Nisten, Brüten und Wohnen für Wald- und Wiesenbewohner, dass die Artenvielfalt in diesen Bestandsphasen ihren Höhepunkt erreicht. Je dicker und stärker das Totholz ist, desto besser ist das für all jene Tiere, die lange Entwicklungszyklen haben und daher über einige Jahre auf und in ihren Wirtsbäumen leben, ehe sie ausgewachsen sind.

Von Kinderstube bis Kantine

Pilze und Insekten machen sich meist als Erstes über abgestorbene Bäume her. Sie beginnen mit der Zerlegung und bereiten so das Festmahl und Domizil für andere Waldbewohner vor, die bereits hungrig und herbergssuchend in den Startlöchern stehen. Flechten, Prachtkäfer und Schlupfwespen sind nur einige der Nutznießer von Totholz. Sie ernähren sich von absterbenden Pflanzenteilen und bauen sich Unterschlupf und Familienunterkünfte. Besonders wichtig ist das symbiotische Zusammenwirken mehrerer Pflanzen- und Tierarten. Wo viel Totholz ist, tummeln sich Insekten. Wo viele Insekten sind, ziehen auch Vögel gern in die Nachbarschaft, denn dort ist das Buffet immer reich gedeckt. Und wo Vögel sind, holen sich auch Räuber wie Marder oder Wildkatzen gerne mal das eine oder andere Ei oder Küken aus dem Nest. Totes Holz ist also nur der Anfang von ganz viel neuem Leben.

Stehend oder liegend – Hauptsache vorhanden

Wer an Totholz denkt, hat als Erstes vielleicht umgefallene, vermorschte Baumstämme im Kopf. Totholz kommt aber in vielen Formen daher. Ein abgestorbener Ast ist ebenso Totholz wie alte dürre Fichten, die oft zehn Jahre tot in der Gegend herumstehen, bis sie schließlich zusammenbrechen oder umfallen. Gerade das stehende Totholz wird gerne von Spechten besucht. Das Holz ist leichter aufzuklopfen und Herr und Frau Specht haben es somit leichter, ihre Baumhöhlen zu formen, in denen sie ihre Jungtiere aufziehen. Fliegt die Spechtfamilie eines Tages wieder aus, gibt es eine fliegende Schlüsselübergabe. Denn kaum stehen Baumhöhlen frei, ziehen auch schon Siebenschläfer oder Eichhörnchen ein, die dank ihrer Vormieter ein gemütliches Platzerl zum Überwintern haben.

Totholz im Garten?

Wer Auwälder kennt, kennt auch Totholz. Auch in unbewirtschafteten Wäldern findet man Unmengen an Totholz. Was alt und morsch ist, darf stehen oder liegen bleiben. Den Rest erledigt die Natur. Unserem austro-germanischen Ordnungsdenken ist es jedoch geschuldet, dass heute die meisten Gärten dem wichtigen Rohstoff Totholz keinen Platz mehr geben. Das Aufkommen von Bienen- und Insektenhotels der letzten Jahre hat hier schon einige zum Umdenken gebracht. Englischer Rasen mag sich unter den nackten Fußsohlen im Sommer gut anfühlen – Biodiversität bringt er jedoch nicht hervor.

So klappt’s auch mit den Nachbarn

Selten leben wir so allein, wie wir uns das vorstellen. Und das ist auch gut so. In jedem Garten wohnen Käfer, Mäuse, Vögel, Schmetterlinge. Aber unsere (meist) stillen Mitbewohner wollen auch richtig versorgt werden. Statt den Grünschnitt sofort zu entsorgen, lassen Sie ihn doch einmal ein Jahr auf einem Haufen liegen. Und beobachten Sie, was damit passiert. Erstens wird er um ein Vielfaches schrumpfen. Bakterien und Insekten zerlegen trotz ihrer Größe den Löwenanteil des Blattwerks. Unten drunter geht’s jedoch drunter und drüber. Denn Igelfamilien lieben Holzhaufen genauso wie kleine Nager, Reptilien und Amphibien. Lassen Sie den fleißigen Putzteufel also mal Urlaub machen und geben Sie Ihren Mitbewohnern die Chance auf ein kuscheliges Zuhause.

Totholz als Nachhaltigkeitsindikator

Je naturnäher ein Wald ist, desto größer ist der Totholzbestand in ihm. Nur dort, wo man der Natur ihren Lauf läst, können Bäume ungestört ihrem natürlichen Lebenszyklus von der ersten Wurzel bis zum letzten fallenden Blatt durchmachen. Totholz entsteht aber nicht nur aufgrund des Absterbens eines alten Baumes. Auch junge Bäume müssen öfter dran glauben. Denn sie fallen der sogenannten konkurrenzbedingten Mortalität zum Opfer. Sie waren kurz gesagt zur falschen Zeit am falschen Ort. Denn wenn zu viele andere, meist größere Bäume den jungen Licht und Nährstoffe abspenstig machen, gehen Letztere dabei auch schonmal zugrunde. Auch der Befall durch Borkenkäfer oder schädliche Pilze kann zum Baumsterben führen. Bei manchen Schädlingen muss gar der Förster eingreifen und Notschnitte vornehmen, bevor die von Käfern ausgehöhlten Riesen auf Waldwege fallen.

Anno dazumal und heute

Totholz hatte immer schon große Bedeutung für die Wälder und ihre pflanzlichen und tierischen Bewohner. Aber auch Menschen haben bis vor nicht allzu langer Zeit von morschem oder trockenem Holz profitiert. Die Gemeinde Wien etwa stellte sogenannte „Klaubholzscheine“ aus, mit denen sich die WienerInnen für wenig Geld mit Totholz zum Heizen versorgen durften. Heute muss Totholz so wie der restliche Wald auch gemanagt werden – damit nie zu viel oder zu wenig da ist und der Kreislauf des Lebens nicht durchbrochen wird.

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