Sagt die Eule zur Lerche

Langschläfer sind faul und Frühaufsteher tüchtig? Zeit, diesem Mythos mal ein Ende zu bereiten und herauszufinden: Welche Zeittypen gibt es? Und was tut ihnen gut?

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Dass nicht jeder Mensch denselben Schlaf- und Wachzyklus hat, wissen alle, die schon mal in einem Team gearbeitet haben. Während die einen noch den sprichwörtlichen Polsterzipfel und die Überreste des Sandmannbesuchs in den Augen haben, sprühen die anderen vor Energie. Wer dafür verantwortlich ist? Die Chronobiologie des Körpers.

Chronobiologie – die Lehre von Zeit und Leben

Die Chronobiologie beschäftigt sich mit dem Faktor Zeit und wie dieser auf Lebewesen wirkt. Man unterscheidet unter anderem tägliche, monatliche und jährliche Rhythmen, die auf verschiedene Lebensformen ganz unterschiedliche Einflüsse haben: von Flugbewegungen der Zugvögel über die Menstruation bis hin zu Wachstumsschüben von Pflanzen. Wir wollen uns heute aber auf den Tagesrhythmus des Menschen konzentrieren.

Welcher Chronotyp bin ich?

Je nachdem, wann Menschen ihren Leistungspeak haben und wann sie am liebsten und am besten schlafen, ordnet man sie sogenannten Chronotypen zu. Einfach gesagt: Sind wir Lerchen, Eulen oder doch etwas dazwischen? Vom „extremen Frühtyp“, der abends schon um halb zehn Uhr im Bett liegt bis zum „extremen Spättyp“, der am liebsten erst in den frühen Morgenstunden schlafen geht, dafür aber auch erst nach Mittag wieder aus den Federn kommt, ist alles dabei. Moderate Typen überwiegen. Innerhalb der Extreme sind in der Bevölkerung jedoch mehr Eulen als Lerchen anzutreffen. Mit dem „Automated Morningness-Eveningness“ Test (einfach googeln) können Sie herausfinden, welcher Typ Sie sind. Und falls Sie sich fragen, ob es Geschlechterunterschiede gibt: Ja, Männer und Frauen schlafen anders.

Einmal Lerche, immer Lerche?

Wir sind nicht zwingend unser ganzes Leben derselbe Typ. Kleine Kinder sind – wie alle Eltern schmerzhaft am eigenen Leibe erfahren – eher Lerchen und damit Frühaufsteher. Das wandelt sich aber mit der Zeit. Und das ist wichtig. Denn Kindergarten- und Volksschulkinder bekommen so genug Schlaf in der Nacht, während Teenager eigentlich eine andere Tagesstruktur brauchen würden, um ausgeschlafen in der Schule zu sitzen. In Richtung Erwachsenenalter ändert sich der Schlafrhythmus und der Großteil der Bevölkerung wandelt sich von der Lerche zu moderateren Typen. Der germanische 6-Uhr-Wecker tut uns also in Wirklichkeit keinen Gefallen.

Vom Tiefschlaf ins Morgenmeeting

Jeden Montagmorgen treffe ich meine Kolleginnen zum Wochenmeeting – früher im Büro, heute online. Die Team-Eule hat es immer am schwersten. Denn ihr natürlicher Schlafrhythmus ist mit einem 9-Uhr-Termin (noch dazu nach dem Wochenende) eigentlich nicht vereinbar. Das bedeutet, dass sie aufgrund der Art, wie wir in unseren Breiten gerne unseren Arbeitsalltag strukturieren, täglich einer wichtigen Schlafphase beraubt wird. Sie kann ihre Stärken nicht dann einsetzen, wenn sie am leistungsfähigsten ist: abends, wenn alle anderen den Computer zuklappen.

Zeit-Shaming und Chrono-Diskriminierung?

Hier ist kein Platz für falsche Scham. Genauso wie der eine ein kreativer Chaot und die andere eine hervorragend strukturierte, aber eher einfallslose Managerin ist, sind Chronotypen nichts, das wir uns aussuchen. Sie sind wie Talente grundsätzlich vorgegeben. Zugegeben – wir können ein wenig dran schrauben, aber die generelle Neigung in die eine oder andere Richtung wird immer vorhanden sein. Wenn entgegengesetzte Chronotypen zum Paar werden, haben sie übrigens weniger Sex als Paare, deren biologische Uhr ähnlich tickt. Sie verpassen einander quasi im Bett, da er will, wenn sie nicht kann, oder umgekehrt. Das Wissen um die unterschiedliche Leistungsfähigkeit sollte sich aber auch in der Arbeitswelt durchsetzen. Wer Flexibilisierung am Arbeitsmarkt sagt, sollte auch an die individuellen Peaks der Menschen in Abhängigkeit von der Tageszeit denken.

Depressionen und schlechte Noten

Dass Österreicher und Deutsche ihr Faible fürs Frühaufstehen auch auf den Schulstart anwenden, ist keinesfalls gut für Jugendliche. Viele von ihnen sind während der ersten Unterrichtsstunden schlichtweg nicht ausgeschlafen genug. Und Schlafmangel hat für Körper und Geist drastische Auswirkungen. Denn die Amygdala, das „Angstzentrum“ des Gehirns, reagiert extrem sensibel auf zu wenig Schlaf. Liegen wir nicht lang genug in den Federn, deutet unser Gehirn das als Zustand der Gefahr und lässt uns in den sogenannten „Fight or Flight“- Modus schalten. Das Ergebnis: Wir sind fahrig, nervös, unangenehm aufgekratzt, emotional. Die Langzeitfolgen einer überreizten Amygdala (die übrigens auch durch Stress hervorgerufen werden) sind ein erhöhter Spiegel an Stresshormonen und den daraus resultierenden körperlichen Folgen sowie Depressionen. Bevor ich das gelernt habe, hatte ich immer nur das dumpfe Gefühl, ständig so früh aufzustehen mache mich „irgendwie unglücklich“.

Schlaf, Energie und Verdauung

Unser Chronotyp bestimmt nicht nur, wann wir schlafen, sondern auch den Rest unseres Biorhythmus. Dazu gehören Leistungspeaks (wann bin ich geistig fit, wann mache ich am besten Sport) ebenso wie die Aktivitätszeiten unseres Darms. Das Zauberwort für das Herausfinden der eigenen Körperzeiten lautet wie so oft: Bewusstsein! Beobachten Sie dafür, wann Sie morgens erstmals Hungergefühle verspüren und wann Sie den ersten „Rush“ haben, also den ersten Adrenalinschub, der Leistungsfähigkeit, Fokus und ein Gefühl intensiven, konzentrierten Wachseins hervorruft. Auch der Darm spielt für unser Wohlbefinden und in der Chronobiologie eine entscheidende Rolle. Denn er ist recht wählerisch, wann er welche Lebensmittel gut verträgt. Morgens hatte er durch die Nachtruhe und das daraus resultierende natürliche Intervallfasten Zeit, sich zu regenerieren und sich einmal richtig durchzuputzen. Finden Sie also für sich heraus, was das bedeutet. Vertragen Sie morgens Eiweiße besonders gut? Fette? Oder glutenhaltige Getreideprodukte?

Die Zukunft der Chronobiologie

Zu wissen, wie sich der menschliche Körper in Abhängigkeit zur Zeit verhält, ist nicht nur für den Einzelnen interessant. Pharmaunternehmen untersuchen, wie sich Nebenwirkungen von Medikamenten in Abhängigkeit von der Einnahmezeit verändern, wann Wirkstoffe am besten greifen oder wann sich Krankheitsverläufe am besten unterbrechen lassen. Da einige der fein abgestimmten zeitlichen Abläufe im Alter durcheinanderkommen (man denke an Schlafstörungen älterer Menschen), gibt es noch viel zu erforschen und herauszufinden. Es bleibt spannend!

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