Ich tue, also bin ich – die Macht positiver Routinen

Positive Routinen führen nicht nur zu mehr Wohlbefinden im Alltag – sie geben vor allem auch dann Halt, wenn es mal nicht nach Plan läuft.

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Angewohnheiten sind wie Default-Programme: Sie lassen uns Tätigkeiten im Autopilot-Modus durchführen wie der automatische Griff in die Süßigkeitenlade oder das Aufschieben der Sporteinheit. Wir können Routinen aber auch für uns nutzen – für mehr Wohlbefinden, Zufriedenheit und eine gesunde Portion Selbstsicherheit: vor allem in Krisenzeiten.

Diese Angewohnheit gönn’ ich mir

Routinen und Angewohnheiten sind deswegen so wichtig, weil sie einen großen Anteil an unserem Alltag haben. Vom Zähneputzen am Morgen bis zur Zigarette nach dem Abendessen – Gewohnheiten prägen unser Leben stärker, als wir auf den ersten Blick für möglich halten, und werden noch dazu unbewusst ausgeführt. Das bedeutet, dass wir aktiv und sehr bewusst daran arbeiten müssen, wenn wir diese ändern wollen, um uns besser zu fühlen. Statt nach Resultaten nach Ritualen zu streben, hilft uns dabei, langfristige positive Veränderungen herbeizuführen, weil wir dadurch nicht mehr ständig bewusst (gesunde) Entscheidungen treffen müssen – sie werden vielmehr zum Automatismus.

Mit Gewohnheiten Barrieren abbauen

Unser Gehirn lernt durch Wiederholung. Das nennt man Neuroplastizität. Konkret heißt das, dass Pfade (Nervenverbindungen) dann zu bequem breiten Straßen werden, wenn wir sie oft beschreiten. Täglich eine Runde laufen zu gehen, ist anfangs sicher ein sehr verworrener und von Dornen verwachsener Pfad. Das hat auch damit zu tun, dass es ein Ungleichgewicht bei direkter Belohnung zwischen negativen und positiven Angewohnheiten gibt. Der direkte Belohnungseffekt der täglichen Cremeschnitte ist eindeutig: Zucker, Energie, vielleicht sogar ein paar Glückshormone. Langfristig bringt die tägliche Cremeschnitte aber starke Blutzuckerschwankungen und im schlimmsten Fall Übergewicht. Die tägliche Laufrunde bewirkt das Gegenteil. Anfangs ist es eine Qual, wir haben erst Atemnot und dann Muskelkater. Aber langfristig steigern wir Ausdauer, Wohlbefinden und körperliche Fitness. Je öfter wir es tun, desto normaler wird es und desto weniger bewusste Anstrengung müssen wir dafür aufbringen. Es ist also klar, dass die ersten Wochen, vielleicht sogar Monate schwierig sein werden, bis sich die neuen Pfade zu Straßen gemausert haben. Wenn Sie jemals Gemeindearbeitern beim Bau einer Straße zugesehen haben, wissen Sie: Das dauert. Zumindest in meiner Gemeinde …

Routinen vor Resultate

Worauf ich hinauswill: Routinen und positive Angewohnheiten entstehen nicht einfach von selbst. Sie müssen trainiert werden. Und hier gilt es, Frustrationen durch die richtige Einstellung vorzubeugen. Es ist nicht wichtig, dass Sie nur grüne Kreuzchen im Kalender stehen haben, weil sie jeden Tag alles brav so gemacht haben, wie Sie es vorhatten. Wichtig ist, dass auf ein rotes Kreuzchen nicht gleich drei weitere folgen. Das kann furchtbar schwierig sein. Es gibt aber Tipps und Tricks, die sehr hilfreich sind, damit neue Angewohnheiten von Spinnweben zu Drahtseilen werden. Diese haben wir hier für Sie zusammengefasst. Wichtig sind Handlungen, die wir immer wieder ausführen, bis sie zur Normalität werden. Denn sie machen aus, wer wir sind. Man kann sich Handlungen auch als Stimmzettel vorstellen. Auf der linken Seite der Waage ist meine Persönlichkeit, wie sie ist. Auf der rechten Seite ist jene Art von Persönlichkeit, zu der ich mich entwickeln möchte. Will ich sportlicher werden, ist jeder Spaziergang ein kleiner Extra-Kieselstein auf der Wunschseite der Waage.

Von der Routine zum Charakter

Handlungen definieren den Charakter. Nicht das, was ich denke, ist schlussendlich wichtig, sondern das, was ich tue. Eine Binsenweisheit – aber drehen wir sie mal so, dass wir auch mit Gewohnheiten an uns arbeiten können. Die höchste Form der Identität ist das Sein an sich, also das Verschmelzen des eigenen Bewusstseins und Ich-Empfindens mit einer Zugehörigkeit. Ich koche nicht nur, ich bin Köchin. Ich schreibe nicht, ich bin Redakteurin. Ich gehe nicht trainieren, ich bin Sportlerin. Was wir uns bei negativen Gefühlen bewusst abtrainieren möchten, machen wir uns bei wünschenswerten oder positiven Eigenschaften zunutze, indem wir sie identitätsstiftend einsetzen. Wie das geht? Mit viel Übung.

Identität als Anker in der Krise

Ist eine Angewohnheit erst einmal zur Identität geworden, ist sie weniger leicht zu brechen. Fühlen wir uns als Sportler, das Fitnesscenter ist aber wegen Social Distancing geschlossen, werden wir andere Wege finden, uns auszupowern. Identität gibt auch in Krisenzeiten Halt. Ich kann mich an Lebensphasen erinnern, in denen ich mich einfach furchtbar gefühlt habe, weil ich mich nirgends zugehörig fühlte. Ich war ein Blatt im Wind, unglücklich, perspektivenlos und für mich selbst kaum greifbar. Wofür stehe ich eigentlich, was macht mich aus? Heute habe ich auch schlechte Tage, aber ich kann mich zumindest an meine Stärken und meine Identität zurückbesinnen. Das gibt innerlich Halt und Kraft, denn Identität gibt immer auch ein wenig die „richtige“ Richtung im Leben vor. Wenn wir wissen, wer wir sind und wofür wir stehen, wissen wir vor allem, was wir nicht tun wollen, und das ist schon sehr viel wert. Was also tun, wenn wir sinn- und identitätsstiftende Rituale nicht mehr ausführen können?

Wer bin ich?

Der sicherste Weg, sich auch in einer Krise nicht selbst zu verlieren, geht über die eigenen Werte. Dahinter steckt jede Menge Bewusstseinsarbeit. Wofür will ich stehen? Was macht mich aus? Wer möchte ich sein? Ist das nicht so einfach zu greifen, probieren Sie es mal hiermit: Stellen Sie sich eine Eigenschaft vor, die sie an einem bestimmten Menschen schätzen und die Sie gerne selbst hätten. Wie verhalten sich diese Personen in kritischen Momenten? Das gibt erst mal Aufschluss, was wir konkret tun können, um uns wünschenswerte Eigenschaften anzutrainieren. Wenn Sie schon so weit sind, fragen Sie sich: Welche Angewohnheiten möchte ich in fünf Jahren abgelegt haben? Wie möchte ich mich fühlen, wenn ich in einem Jahr in den Spiegel schaue? Wie will ich reagieren, wenn ich dieses unangenehme Gespräch mit der Chefin in drei Monaten habe? Das macht es oft einfacher zu sehen, welche Handlungen und Gewohnheiten notwendig sind, um Ziele nachhaltig zu erreichen.

Stark starten, lang profitieren

Gesunde Gewohnheiten wie der tägliche Spaziergang, ausgewogene Ernährung oder auch Übungen zu mehr Bewusstsein über die eigene Gedankenwelt kommen also nicht von allein. Sie brauchen Übung und Disziplin. Sind sie einmal erlernt, profitieren wir aber doppelt davon: Wir müssen nicht mehr jedes Mal eine Entscheidung für die „richtigen“ Handlungen treffen und langfristig stellen sich bessere und nachhaltigere Ergebnisse ein als bei klassischen Diäten oder den so beliebten 3-Wochen-Challenges. Fangen Sie klein an, setzen Sie sich bewusst Ziele für neue Routinen und Gewohnheiten und genießen Sie das Gefühl, auf diese Weise ständig etwas Gutes für sich selbst zu tun. So bleiben Sie eher dran!

UNSER BUCHTIPP:

  • James Clear: Atomic Habits. 2018
  • Charles Duhigg: Die Macht der Gewohnheit. Warum wir tun, was wir tun. 2013

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