Die Kunst des Scheiterns

Scheitern tut weh. Sich danach wieder aufzurappeln sogar noch mehr. Was Scheitern mit dem eigenen Ego zu tun hat und wieso wir mehr unfertige Bücher lesen sollten.

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In vielen Belangen haben wir Glück, hier in Österreich oder Deutschland zu leben: reiche Länder, stabiles Gesundheitssystem, wenig Umweltkatastrophen. Doch manchmal wünscht man sich woanders hin. Vor allem, wenn man scheitert. Denn nirgends tut das so weh wie bei uns.

Scheitern als Kulturgut

„Das Start-up vom Karli? Das ist doch den Bach runtergegangen.“ Verächtliche Blicke, schnaufende Lacher. Die Quintessenz: „Gescheitert“ wird schnell vom Partizip Perfekt zum definierenden Adjektiv. Dabei ist das nicht überall so. Während Scheitern in Europa eher negativ behaftet ist, wird es über dem großen See ganz anders betrachtet. In den USA ist Scheitern Teil des Erfolgs. Denn Erfolg, der ohne Rückschläge einfach passiert – das ist eine Seltenheit.

Kampf dem Ego

Wieso Scheitern so wehtut, ist schnell erklärt. Unser Ego hat es gar nicht gern, wenn wir etwas nicht hinbekommen. Denn unsere Selbstauffassung, die Vorstellung, die wir von uns haben, soll bitte so makellos wie möglich sein. Natürlich wollen wir gut sein in dem, was wir tun. Natürlich wollen wir Erfolg haben. Aber Scheitern ist ein ganz natürlicher Baustein am Weg zum Erfolg. Es kommt hier also auf eine neue Sichtweise an.

Niemand kennt die Beta-Phase

Zu oft verlaufen wir uns in dem Irrtum, dass andere Menschen Dinge viel besser können als wir, weil sie talentierter sind, weil sie einfach mehr draufhaben. Weil wir immer nur fertige Bücher oder Produkte in der Hand halten und die tausend Prototypen und hundert gescheiterten Entwürfe nie zu Gesicht bekommen. Das führt manchmal zu dem Trugschluss, dass anderen Menschen Dinge besser gelingen – wir sehen deren Scheitern einfach nicht. Was aussieht wie Talent, ist oft harte Arbeit in Kombination mit unzähligen Wiederholungen und viel Durchhaltevermögen.

Nicht zu scheitern ist nicht die Norm

Wenn einem alles sofort gelingt, schwingt immer ein wenig ein Gefühl von Glück oder Privileg mit. So ist es genau genommen nicht normal, dass wir mit 21 Jahren genau wissen, wo wir im Leben hinwollen. Es ist auch nicht mehr normal, als Berufseinsteiger zehn Jahre lang in derselben Firma zu arbeiten, weil alles passt und einem alles gelingt und man schön auf einer geraden Linie aufsteigt und die Karriereleiter erklimmt. Es ist viel eher normal, vom gerade erdachten Weg abzukommen und ein paar Umwege und Ehrenrunden einzulegen. Nur so wissen wir, was wir nicht wollen. Und das ist oft mindestens so viel wert wie zu wissen, was wir wollen.

Reflektieren und lernen

Was also, wenn mal was richtig schiefgeht? Wie geht man damit um? Am besten ist es wohl, sich der Dimensionen wirklich bewusst zu werden. Was war mein Beitrag? Was hätte ich besser machen können? Welche Ebene betrifft es? Ist es persönliches Scheitern, ist es berufliches Scheitern? Und was kann ich daraus lernen? Ich persönlich lausche gerne Menschen, die zwar erfolgreich sind, aber auch von ihren Rückschlägen erzählen. Was hat das mit ihnen gemacht? Was haben sie daraus gelernt? Und wie konnten sie weitermachen? Das macht sie für mich greifbarer und ich kann ihren Erfolg auch als reale Möglichkeit für mich selbst sehen.

Scheitern ist nicht endgültig

Oft fühlt sich Scheitern wie etwas Endgültiges an. Zumindest hatte ich diesen Eindruck, als in meinem Leben vor einigen Jahren alles den Bach runterging. Ich rutschte innerhalb kürzester Zeit in einem neuen Job ins Burnout, fühlte mich überlastet und überfordert und kämpfte mit einer gefühlten Perspektivenlosigkeit. Privat lief es auch nicht rund, ich wusste nicht mehr, wo oben und unten ist. Das Einzige, das half, war eine Auszeit, um wieder zu Kräften zu kommen und zu neuem Selbstbewusstsein zu finden. Und um an jenen Rädchen zu drehen, die das Gefühl des Scheiterns verursacht hatten.

Scheitern als Reset-Knopf

Manchmal braucht es einen ziemlichen Augen-Öffner, um den falschen Weg zu verlassen und den richtigen zu finden. Und das kann richtig wehtun. Mein Scheitern war der Beginn einer absoluten Kehrtwende. Die Auszeit gab mir Mut, neue Möglichkeiten erst als solche wahrzunehmen. Oft sind wir so im Hamsterrad gefangen, dass wir den Blick über den Tellerrand gar nicht wagen bzw. nicht merken, dass ein Leben außerhalb unserer Routinen möglich ist.

Bringt Scheitern mehr als Erfolg?

Warum lernt man aus Scheitern manchmal mehr als aus Erfolgen? Scheitern gibt uns einen Reality-Check und holt uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Anhaltender Erfolg stumpft manchmal ab. Wenn alles glatt läuft, kann man sich leichter committen, als wenn man sich wirklich durchbeißen muss. Wie scheitern wir also „richtig“? Hier unsere Tipp-Liste, wie man mit Scheitern umgehen kann, um danach gestärkt daraus hervorzugehen.

Anleitung zum Scheitern

  • Analysieren Sie, welche Schritte zum Scheitern geführt haben. Nur wer begangene Fehler wirklich kennt, kann sie in Zukunft vermeiden.
  • Gewinnen Sie Distanz. Schlafen Sie drüber, treten Sie einen Schritt zurück und fragen Sie sich: Wie schlimm ist es wirklich?
  • Üben Sie sich in Wertschätzung. Oft bemerken wir erst, wie wichtig uns etwas war, wenn es gescheitert ist (Beziehung, Job, Zukunftspläne). Könnten wir diese Dinge nicht schon vor dem Scheitern wertschätzen?
  • Zähmen Sie Ihr Ego. Nichts steht dem Aufrappeln und Weitermachen so im Weg wie das eigene gescheiterte Ego.
  • Erkennen Sie Chancen im Scheitern. Die Italiener wissen „Wenn sich ein Türchen schließt, öffnet sich ein großes Tor.“ Nachsatz: das wir vorher nicht wahrgenommen haben.
  • Haben Sie keine Angst. Etwas aus Angst vor dem Scheitern nicht zu tun, ist das Einzige, das Sie wirklich bereuen werden. Wenn Sie scheitern, haben Sie es immerhin versucht und können aus Fehlern lernen.

Also: Scheitern Sie ruhig. Arbeiten Sie ein wenig an Ihrer Einstellung. Wird Scheitern als Teil des Lebens betrachtet, trifft es uns weniger hart. Und bleiben Sie dran. Was wirklich wichtig ist, darf nicht einfach einem einzelnen Rückschlag zum Opfer fallen!

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