Ausgebrannt im Home-Office

Was anfangs vielleicht eine willkommene Abwechslung war, wird langsam zur Belastung: Die Heimarbeit zehrt an der psychischen Gesundheit vieler Betroffener. Was Sie als Mitarbeiter und Vorgesetzter dagegen tun können, lesen Sie in diesem Artikel.

Version vom

Ganz ehrlich: Ich habe einen kleinen Freudentanz aufgeführt, als wir im Frühling 2020 ins Homeoffice gegangen sind. Seit Monaten hatte ich meinen Chef schon dahingehend bearbeitet, ihm immer wieder sorgfältig die Argumente „Pro Home-Office“ unterbreitet. Viel besser konzentrieren würde ich mich können, viel produktiver arbeiten, wenn ich nicht so oft unterbrochen werden würde.

Mein (Alb-)Traum vom Home-Office

Zumindest einen Tag pro Woche wollte ich in aller Ruhe (und im Pyjama) von daheim aus arbeiten, meine Pausen dann machen, wenn es mir am besten passt, ohne Zurückhaltung gähnen, strecken, dehnen und vor allem: niemandem erklären müssen, woraus mein Mittagessen besteht und in Ruhe meinen Kaffee trinken. Ach, wie paradiesisch!

So hatte ich mir das vorgestellt. Und so ist es dann auch gekommen – zu meiner anfänglichen Begeisterung auch gleich vollständig anstatt für nur einen Tag pro Woche. Wunderbar war das – anfangs. Dann sonderbar, jetzt anstrengende Realität.

Zu viel des „Guten“

Das alles ist mittlerweile fast ein Jahr her und ich muss sagen: Auf Dauer ist die Utopie Home-Office gar nicht so traumhaft wie anfangs geglaubt. Und mit dieser Realisation bin ich - anders als in meinem Arbeitsalltag à la „neue Normalität“ - nicht allein.

Laut einer weltweiten Umfrage der HR-Beratung Glint fühlen sich ein Fünftel der Befragten im Home-Office isoliert und überfordert. Die Flexibilität in der Zeiteinteilung und Pausengestaltung sowie das autonome Arbeiten von zu Hause aus wird grundsätzlich als positiv empfunden. Auch spart das Konzept Home-Office lästige und zeitintensive Arbeitswege und minimiert so auch das Verkehrsaufkommen.

Auf Dauer wünschen sich die meisten Arbeitnehmer allerdings ein Hybrid-Modell: Mal von zu Hause aus, mal im Büro arbeiten - das vereint die Vorteile von beidem und fördert gleichzeitig die Eigenverantwortung sowie den Zusammenhalt im Team. Vor allem letzteres fehlt vielen im Home-Office: Das Team, der soziale Austausch, das Gemeinsame.

Psychische Belastungen im Home-Office

Neben der Isolation sorgt auch die Kombination aus anhaltendem Stress, Unsicherheit (vor allem durch die Coronakrise), die immer neuen Herausforderungen sowie der mangelnde Zeithorizont für einen rapiden Anstieg an gesundheitlichen Beschwerden und psychischer Belastung am Arbeitsplatz zu Hause.

Studien der Donau Universität Krems zeigen, dass die Pandemie die psychische Gesundheit der österreichischen Bevölkerung maßgeblich verschlechtert. Eine Befragung der Sigmund-Freud-Privatuniversität und des Meinungsforschungsinstituts Gallup zeichnet ein ähnliches Bild: Hier wird von einer „psychosozialen Pandemie“ gesprochen, von der bereits im November 2020 ein Viertel der Menschen in Österreich betroffen waren - Tendenz steigend.

Corona-Cocktail

Diese Entwicklungen sind aber natürlich nicht nur auf das sich gemeinsam mit dem Virus ausbreitende Home-Office zurückzuführen. Die Pandemie an sich sowie die sich häufig ändernden Maßnahmen sorgen für Unsicherheit, Angst und Isolation in sämtlichen Lebensbereichen.

Dennoch ist die Arbeit nach wie vor für viele das, womit wir den Großteil unserer Zeit verbringen - und somit auch einer der Bereiche, die uns am intensivsten beeinflussen. Aber was genau macht das Home-Office so schwierig? Und wie können wir uns die Heimarbeit erleichtern? Im Folgenden die drei größten Herausforderungen, die das Arbeiten von zu Hause aus mit sich bringt:

Home-Office Struggle #1: Arbeitsplatz & Ausstattung

Der Küchentisch ist kein Schreibtisch, der Klappstuhl kein Bürosessel. Mit dem privaten Laptop arbeitet es sich vielleicht auch nicht so gut wie mit dem Stand-PC im Büro. Man hat zu Hause einfach nicht die gleiche Ausstattung und schon gar nicht dieselben Bedingungen. Partner, Mitbewohner, Kinder, Haustiere. Da ist so vieles, das uns ablenken kann.

  • Was hilft?

Den Arbeitsplatz auch zu Hause so gut wie möglich abgrenzen - und wenn es nur ein anderer Sitzplatz ist als der, auf dem wir beim Mittagessen sitzen. Unser Gehirn assoziiert Orte sehr stark mit bestimmten Tätigkeiten. Es fällt schwer, auf „Arbeitsmodus“ umzuschalten, wenn sich die Umgebung nicht verändert. Daher: Nach dem Essen einfach rüberrutschen! Und nach vollendetem Arbeitstag ganz bewusst Ruhezonen schaffen, in denen man abschalten und entspannen kann.

Home-office Struggle #2: Isolation

Was neben der gewohnten Ausstattung am meisten fehlt, ist das Zwischenmenschliche: Die Kaffeepausen mit den Kollegen, der persönliche Kontakt zu den Kunden, das gemeinsame Mittagessen. All das macht den Arbeitsalltag sozial, menschlich.

Für viele von uns war der Arbeitsort auch der wichtigste soziale Treffpunkt, die Kolleginnen und Kollegen die wichtigsten Bezugspersonen. Mit niemandem sonst verbringen wir so viel Zeit. Wir teilen Ziele, meistern Herausforderungen gemeinsam. Das schweißt zusammen – auch wenn es nicht immer einfach ist und man sich gelegentlich doch mächtig auf die Nerven geht. Wer hätte gedacht, dass man den belanglosen Small Talk, die gekünstelte Freundlichkeit und das gespielte Interesse an den neuesten Wetterentwicklungen und diversen Schlagzeilen auch mal vermissen würde?

  • Was hilft?

In Kontakt bleiben und neben dem fachlichen Austausch auch Platz für das Menschliche schaffen. Ob man es wahrhaben möchte oder nicht: Die Kolleginnen und Kollegen sind wichtige Bezugspersonen. Der persönliche Austausch im Team erfolgt ganz nebenbei, wenn man sich im Büro trifft. Im Home-Office sieht das anders aus - da wird nicht zwischen Tür und Angel geplaudert. Daher ist es wichtig, diese soziale Komponente bewusst auch in die digitale Zusammenarbeit einzuplanen. Es kostet vielleicht etwas Überwindung, sich auch mal zur virtuellen Kaffeepause zu verabreden, zahlt sich aber aus.

Home-Office Struggle #3: (Ver-)Digitalisierung

Auch Berufe, die früher großteils ohne Computer ausgekommen sind, können plötzlich nur mehr digital ausgeübt werden. Das stresst, überfordert, nimmt die Freude am Arbeiten. Neue (technische) Fähigkeiten müssen schnell, unter Druck und ohne Unterstützung erlernt werden. Schon möglich, dass diese Digitalisierung sowieso längst überfällig war. 

Aber Veränderung fällt immer schwer – und wird zur Last, wenn sie gezwungenermaßen und auf sich allein gestellt erfolgen soll. Schrittweise, mit Bedacht und Hilfestellungen gelingt die Umstellung. In einer Zeit, in der wir überwiegend allein arbeiten, sind Führungskompetenzen gefragter denn je.

  • Was hilft?

Um Hilfe bitten, wenn man sich nicht auskennt und Nachsicht mit sich selbst und seinen Mitarbeitern haben, wenn nicht alles wie auf Knopfdruck funktioniert. Für viele sind die digitalen Tools, die jetzt an der Tagesordnung stehen, neu und verwirrend. Geduld und Zeit, sich einzuarbeiten, sind daher unerlässlich. Und: Nach der Arbeit ganz bewusst bildschirmfreie Zeiten einplanen und wortwörtlich abschalten. Spazierengehen ist das neue Netflix!

Weitere Tipps, wie Sie die Zeit im Home-Office überstehen, haben wir hier für Sie zusammengefasst. Eine ganz besondere Herausforderung stellt die Heimarbeit mit Kindern im Haus dar. Auch dafür haben wir Lösungen parat. 

Und bevor Ihnen im Home-Office die Decke auf den Kopf fällt: Hier finden Sie unsere liebsten Apps für mentale Gesundheit.
 

UNSERE BUCHTIPPS:

  • Anitra Eggler: Home Office Survival Guide: Effektiv, erfolgreich und entspannt zuhause arbeiten. Die besten Tipps für Zeit- und Selbstmanagement, Produktivität, Motivation und digitale Kommunikation. 2020. 
  • Emplayers: Arbeiten im Home Office in Zeiten von Corona: Ein Leitfaden zu Home Office und mobilem Arbeiten. 2020.

Aktuellste Artikel aus Psyche & Lebenshilfe


Sprache, Distanz, Gehirn
Wie Sprache unser Wohlbefinden beeinflusst
Authentizität: Bin ich genug ich selbst?
Langschläfer, Bett, Schlafen, Schlaftypen
Sagt die Eule zur Lerche

Weitere Themen


Gesunde Lebensweise

Von Allergien über Diabetes bis hin zu Krebserkrankungen: Hier erfahren Sie alles über Symptome, Ursachen, Vorsorge- und Therapiemöglichkeiten.

Haus- & Naturheilmittel

Entdecken Sie alles rundum alternative Heilmittel: von Medizin aus der Natur bis hin zu Homöopathie und altbewährten Hausmitteln.

Körper & Sinne

Alles über die Vorgänge Ihres komplexen Körper und die besten Tipps gegen alltägliche Probleme wie Schlaflosigkeit, Schnarchen und Stress.

Generali Produkte


Generali Vitality

Starten Sie jetzt in Ihr aktives Leben mit Generali Vitality und belohnen Sie sich mit einem gesünderen Lebensgefühl. Jetzt auch online abschließbar.

Gesundheitsvorsorge

Nichts ist kostbarer und wichtiger als Ihre Gesundheit! Ihr günstiger Einstieg in die Sonderklasse - berechnen Sie gleich jetzt Ihre Prämie online.

Unfallversicherung

Mit dem Generali Unfallschutz 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr und weltweit optimal bei Freizeitunfällen abgesichert sein. Jetzt mehr erfahren!