Liebe geht durch die Nase

Was heißt das eigentlich, wenn wir jemanden „nicht riechen“ können? Wieso sind Gerüche für die Partnerwahl so ausschlaggebend? Und was haben übelriechende Ausscheidungen von Pottwalen damit zu tun?

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Als wären Aussehen, Sympathie und Intellekt nicht schon genug, gesellt sich auch noch ein zusätzlicher wesentlicher Erfolgsfaktor für eine funktionierende Beziehung hinzu – unser individueller Geruch und Geruchssinn. Gerüche wirken direkt auf das limbische System des Gehirns, in dem wir auch Emotionen verarbeiten. Das führt dazu, dass wir mit Gerüchen oft starke Assoziationen und Emotionen verbinden und von gewissen Duftstoffen getriggert werden. Riechforscher Johannes Frasnelli begründet unsere Ablehnung oder Präferenz für Gerüche mit vier Faktoren: chemische Zusammensetzung, Konzentration (Intensität), die eigene Erwartungshaltung und bereits gemachte Erfahrungen mit einem Geruch. Heute wollen wir uns anhand dieser Faktoren ansehen, wie unser Riechkolben zum Liebes(un)glück beitragen kann.

Chemische Zusammensetzung im Liebestango

Die Unromantischen unter uns haben es immer schon geahnt: Liebe ist nichts als Chemie und Botenstoffe. Und auch die Romantischen müssen zugeben, dass da wohl was dran ist. So zeigt sich, dass Frauen rund um ihren Eisprung den Geruch von Männerschweiß als weniger unangenehm empfinden als in anderen Phasen ihres Zyklus. Zufall? Eher nicht. Chemische Zusammensetzungen im Schweiß reagieren mit chemischen Zusammensetzungen im Körper der Schnuppernden. Man geht davon aus, dass sich Tiere (und der Mensch ist in vieler Hinsicht auch nur ein Viecherl mit großem Hirn und schwacher Nase) vor allem von jenen Artgenossen angezogen fühlen, die eine hohe genetische Differenz zu sich selbst aufweisen. Das Augenmerk liegt dabei auf der Immunologie. Ergänzt uns der Partner in immunologischer Hinsicht, anstatt unserem eigenen Immunsystem zu sehr zu ähneln, können wir potenziellen Nachwuchs mit einem besseren Abwehrschild ausstatten. 

Konzentration – riech ich noch oder stink’ ich schon?

Von der Intensität eines Geruches hängt es ab, ob wir ihn als angenehm oder penetrant wahrnehmen. Jeder kennt das Fahrstuhl-Phänomen – auf den Aufzug warten, einsteigen und erst mal Nase zuhalten, weil einem die Parfumwolke eines „Mitreisenden“ den Atem raubt. Dabei ist es egal, wie angenehm das Parfum oder der Duft sonst ist – wird zu dick aufgetragen, empfinden wir das als unangenehm. Der Mensch kennt dieses Phänomen schon lange. Und die Parfumbranche macht es sich zunutze.

Von Pottwal-Klumpen und Bibergeil

Ambra, Moschus und Bibergeil stellen stellvertretend für Gerüche, die in ihrer ursprünglichen hochkonzentrierten Form absolut ekelerregend riechen, in der Industrie aber als Beigaben für die sogenannten Basisnoten vom Parfums verwendet werden und auf dem Weltmarkt horrende Summen erzielen. In hochverdünnter Form riechen Ambra (gewonnen aus klumpenartigen Ausscheidungen von Pottwalen), Moschus (aus der Moschusdrüse von ziegenartigen Paarhufern) und Bibergeil (harzige Substanz, mit der Biber ihr Territorium markieren und ihr Fell imprägnieren) unangenehm animalisch und wenig anziehend. Aus Tierschutzgründen werden diese Stoffe heute synthetisch hergestellt. Bei Ziegenbock-Extrakt und Walexkrementen gilt also eindeutig: Weniger ist mehr.

Gerüche, Erfahrungen und Erwartungen

Ich habe vor vielen Jahren einen guten Freund mit einem Parfum unabsichtlich aus der Bahn geworfen. Wir waren auf ein Getränk verabredet. Und von Anfang an kam er mir an diesem Tag eigenartig vor. Er wirkte ein wenig verstört, streckenweise gedankenverloren und am Ende verließ er abrupt die Bar. Erst Monate später erklärte er mir, ich hätte ihn mit meinem Parfum durcheinandergebracht. Jemand, mit dem er eine kurze, aber sehr intensive Affäre gehabt hatte, hätte immer dasselbe Parfum getragen. Dieses jetzt an einem anderen Menschen wahrzunehmen, in einem Setting, das den Erinnerungen und Erwartungen an den Duft so gar nicht entsprach, war so verstörend, dass er die Flucht ergreifen musste. Gerüche konditionieren uns also. Durch ihre starke emotionale Wirkung sind sie imstande, unser Innenleben in Sekundenbruchteilen aufzurütteln und uns in eine andere Zeit zu teleportieren. In der Wissenschaft nennt man das den Proust-Effekt, da der französische Dichter Marcel Proust seitenlang in Erzählungen über Düfte schwelgen konnte, die ihn auch im Erwachsenenalter zurück in seine Kindheit versetzten. Warum sich das auch auf den Geschmackssinn auswirkt, lesen Sie übrigens hier.

Gibt es wirksame Liebesdüfte?

Mal ehrlich: Wir alle wollen wissen, wie wir für ein attraktives Gegenüber noch besser riechen können. Die Antwort darauf ist aber leider gar nicht so leicht. Zwar produzieren auch wir Menschen Pheromone, also Sexualduftstoffe, diese sind aber noch nicht so gut und systematisch erforscht wie jene im Tierreich. Außerdem wirken nicht alle Düfte auf alle Menschen gleich. Was feststeht, ist, dass unsere apokrinen Schweißdrüsen (im Achsel- und Genitalbereich) ab Einsetzen der Pubertät Proteine und Fettsäuren erzeugen, die wiederum als Nährboden für Bakterien dienen. Diese produzieren schwefelhaltige Verbindungen, die von manchen Menschen als unangenehm empfunden werden. Das Bouquet reicht von Schweizer Käse bis hin zu saurer Milch. Das einfachste Gegenmittel: gründliches Waschen dieser Bereiche und ein Trimmen der Behaarung. Denn die Stinke-Bakterien nisten sich vor allem in den Haaren ein.

Fazit: Immer der Nase nach

Bei der Partnerwahl kommt es also durchaus darauf an, wie unser Gegenüber riecht. Achtung an alle Frauen, die mit der Pille verhüten: Diese Art der Verhütung wirkt sich erwiesenermaßen auch auf den Geruchssinn aus. Vielleicht sollten Sie also erst mit natürlich geschultem Näschen an Ihrem Schwarm schnuppern, bevor Sie Nägel mit Köpfen machen. Auch Rauchen und Alkohol beeinflussen den Geruchsinn. Also lieber nicht rauchend und nüchtern zum ersten Date. So finden Sie den richtigen Prinzen mit dem passenden Immunsystem. Für die Männer gibt es quasi Entwarnung. Blindtests zeigen, dass Männer eher den Geruch ihrer Partnerinnen favorisieren, als sich groß Gedanken um Immunantworten zu machen. Der Mensch ist eben doch ein Gewohnheitstier.

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