Im Schlaf wach: Interview mit einer Schlafwandlerin

Vor Kurzem hat eine liebe Arbeitskollegin unser Meeting mit folgenden Worten begonnen: „Ich habe diese Nacht seit Langem wieder geschlafwandelt!“ Das gesamte Team war so fasziniert, dass wir ihr regelrecht Fragen in den Bauch gelöchert haben. Da ich zu dem Thema selbst noch nicht viel weiß, habe ich mich danach mit ihr zusammengesetzt und ihr einige Fragen gestellt. Das Ergebnis lesen Sie hier.

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Starten wir erst einmal mit einer Begriffsdefinition: Der „Somnambulismus“ oder die „Somnambulie“ leitet sich vom Lateinischen somnus, was so viel wie „Schlaf“ bedeutet, und von ambulare, also „umherlaufen, spazieren“, ab. Das Schlafwandeln, auch Nachtwandeln genannt, ist ein Phänomen, bei dem Betroffene ohne aufzuwachen die Betten verlassen, umhergehen und nicht selten auch Tätigkeiten verrichten.

Ich habe mir im Vorfeld grob überlegt, was ich sie fragen möchte, habe aber die Fragen nicht auf bestimme Art geclustert. Als Erstes interessierte mich, wann sie das erste Mal gemerkt hat, dass sie schlafwandelt.

Nicht ganz bei sich

„Hmm, mit drei oder vier Jahren. Vielleicht noch früher“, antwortet sie mir. Da sie damals selbst noch sehr jung war, kann sie sich natürlich nicht mehr genau an ihr Alter erinnern, sie weiß aber, dass sie da auf jeden Fall noch sehr klein war. Auf meine Frage, wie man denn bemerke, dass jemand schlafwandle, bemerkt sie etwas sehr Interessantes, und zwar, dass der oder die Schlafende in Schlaf unruhig werde, aufstehe und die Augen geöffnet seien. Sie selbst sei dabei oft „nicht wirklich ansprechbar“ und dadurch, dass die Antworten dann nicht ganz „klar“ also verständlich formuliert würden, merke jeder sofort, dass sie gerade schlafwandle.

Mich interessiert natürlich, ob man den oder die Schlafwandelnde überhaupt ansprechen darf. „Das kommt ganz darauf an. Als ich noch klein war, ging es zum Beispiel nicht.“ Sie erzählt mir außerdem, dass ihre Eltern sie in so einer Situation auf die Toilette setzten, was dazu führte, dass sie aufwachte.

Anzeichen für Schlafwandeln

An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass mit diesem Interview bloß eine Erfahrung geteilt wird und die Erfahrungen/Erlebnisse von Mensch zu Mensch vollkommen unterschiedlich sein können. 

Meine liebe Kollegin erzählt aber, dass es keine wirklichen Anzeichen fürs Schlafwandeln gibt. Sie fühlt sich nicht anders und ist vorm Schlafengehen auch nicht vom Verhalten her auffälliger. Allerdings konnte sie einen Zusammenhang zwischen Stress und Schlafwandeln beobachten. In Zeiten, in denen sie mehr unter Stress steht oder sich unter Druck gesetzt fühlt, tritt das nächtliche Umhergehen öfters auf.
Diese Aussage macht für mich vollkommen Sinn, da wir durch das Träumen Erlebtes verarbeiten.

Kann man sich ans Schlafwandeln erinnern?

Meistens nicht. Das bestätigt nicht nur meine Arbeitskollegin, sondern auch meine Recherchen zu diesem Thema. Man erinnert sich also an die Tätigkeit selbst, also das eigentliche Schlafwandeln nicht, aber an den Traum manchmal schon. Allerdings, so wie bei anderen Träumen auch, bleiben einem ganz oft nur die letzten Sequenzen kurz vorm Aufwachen in Erinnerung.

Interessant finde ich, dass sie sich zwar nicht ans Schlafwandeln per se erinnert, aber manches Mal nach dem Aufwachen merkt, dass sie in der Nacht wieder umhergegangen ist. „Ich wache erschrocken auf und brauche einen Moment, bis ich wieder klar denken kann.“, beschreibt sie es.

Während unserer Unterhaltung bin ich so fasziniert, dass ich mich regelrecht zusammenreißen muss, um ihr nicht ins Wort zu fallen. Mich interessiert, wie oft sie schlafwandelt bzw. wie oft ihr erzählt wird, dass sie geschlafwandelt hat.

Schlafwandeln wird oft nicht bemerkt

Tatsächlich sei es schwer zu sagen, erzählt sie mir, da sie oft allein schlafe und/oder die Angehörigen es wahrscheinlich nicht immer mitbekommen oder vom normalen „Wachsein“ unterscheiden könnten. Tatsächlich schätzt sie die Schlafwandelepisoden auf ca. zwölfmal im Jahr. Und während ihrer Unizeit kam es aufgrund von erhöhtem Stress öfters vor.

Nun interessiert mich, was man als Angehöriger tun kann, wenn eine Person im näheren Umfeld schlafwandelt.

Müssen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden?

Sie erzählt mir, dass es in ihrer jetzigen Wohnung keine Sicherheitsvorkehrungen gibt –in ihrem Elternhaus allerdings schon. Da befindet sich tatsächlich an jeder Tür im ersten Stock ein Abriegelungsschloss. Allerdings nicht nur wegen ihr, erfahre ich, sondern auch wegen ihres Vaters. Denn dieser ist ebenfalls Schlafwandler. Diesen Aspekt fand ich interessant, deshalb habe ich etwas recherchiert und fand heraus, dass das nächtliche Herumwandern auch vererbbar sein kann. Interessanterweise tritt Schlafwandeln vermehrt dann auf, wenn die Betroffenen im Vorfeld Episoden von wenig Schlaf hatten.

Ich stelle mir Schlafwandeln sehr gefährlich vor. Ich meine, wir kennen alle die Geschichten, in denen jemand nachts allein irgendwo auf der Straße aufwacht. Sie kann mich aber beruhigen, denn zum Glück ist ihr in den ganzen Jahren noch nie etwas passiert. Sie rät aber dazu, Haustüren immer abzusperren, Fenster verschlossen zu halten bzw. komplett abzuriegeln.

Zum Schluss möchte ich noch wissen, ob sie Tipps für Schlafwandler und deren Angehörigen hat.

Wie geht man mit Schlafwandeln am besten um?

Am besten macht man keine große Sache daraus. Denn „je mehr man sich damit beschäftigt und je mehr man sich hineinsteigert, desto schlimmer wird es“. Für sie sei das Schlafwandeln überhaupt nicht schlimm, sie empfinde es weder als belastend noch schränke es sie in irgendeiner Weise ein. Das kann ich nur bestätigen, da sie einer der fröhlichsten und positivsten Menschen ist, die ich kenne. 

Aber wie kann bzw. soll man sich nun verhalten, wenn man merkt, dass jemand im engeren Umkreis schlafwandelt? Neben den zuvor genannten Sicherheitsvorkehrungen sollte man die Betroffenen auf gar keinen Fall auslachen, erzählt sie mir: „Man fühlt sich gedemütigt, wenn man von Gelächter wach wird!“

Ich hoffe Sie fanden dieses Interview genauso spannend wie ich und in diesem Sinne: Gute Nacht, schlafen Sie gut.

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