Der Tanz der Gegensätze

Das Prinzip der Polarität beschäftigt die Menschheit seit Tausenden von Jahren. Das wohl bekannteste Symbol dafür kommt aus der chinesischen Tradition: Yin & Yang. Es symbolisiert das Zusammenspiel zwischen scheinbaren Gegensätzen, die doch eine Einheit bilden.

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Gegensätze ziehen sich an. Und nicht nur das: Sie bedingen und unterstützen einander, gleichen sich gegenseitig aus, ermöglichen Bewegung, Wachstum, Veränderung, Leben. Gegensätze arbeiten gar nicht gegen- sondern miteinander. Am deutlichsten sieht man dieses Zusammenspiel in der Natur: Tag und Nacht, Licht und Schatten, Sonne und Mond, aufblühen und vergehen, Aktivität und Ruhe … Es braucht immer beides, um ein rundes Ganzes zu schaffen.

Yin & Yang: Symbolik & Grundlagen

Genau dieses runde Ganze wird im Yin-&-Yang-Symbol verdeutlicht: Hell und dunkel bilden eine Einheit, ergänzen einander. Es braucht den Kontrast, um das jeweils andere überhaupt richtig wahrnehmen zu können. Die Wellenlinie zwischen der schwarzen und der weißen Seite verdeutlicht das Wechselspiel der gegensätzlichen Kräfte – sie fließen ineinander, miteinander, neben- und nacheinander und lassen so natürliche Rhythmen des Lebens entstehen.

Gleichzeitig lehrt uns dieses Symbol aber auch, dass ein „Schwarz-Weiß-Denken“ fehl am Platz ist. Der schwarze Punkt in der weißen Hälfte und der weiße Punkt in der schwarzen erinnern uns an eine grundlegende Wahrheit: Nichts ist je „nur“ das eine oder das andere. In allem sind beide Pole zu unterschiedlichen Teilen verankert. So ist beispielsweise nichts je so schlecht, dass es nicht auch etwas Gutes beinhaltet – und umgekehrt.

Yin & Yang: weitergedacht

Dieses Prinzip findet auch außerhalb der chinesischen Kultur Anklang. Beispielsweise gibt es im Yoga passivere Stile, die als Yin-Yoga bezeichnet werden, während aktivere, schnellere Übungsabläufe unter Yang-Yoga zusammengefasst werden. Doch auch westliche Philosophen und Psychologen greifen das Prinzip gerne auf. Die Werke von Alan Watts, Eckhart Tolle oder Deepak Chopra sind empfehlenswert, um sich umfassender mit diesem Thema zu beschäftigen (siehe Buchtipps am Ende des Artikels). 

Auch der kanadische Psychologie-Professor Jordan Peterson schreibt in seinem Bestseller „12 Rules for Life“ davon, dass das lebensnotwendige Wechselspiel zwischen Chaos und Ordnung durch Yin & Yang symbolisiert wird. Seiner Ansicht nach ist die ideale Position für eine sich weiterentwickelnde Person genau auf der Mittellinie: einen Fuß stabil im Yang (in der Ordnung) platziert, um sich sicher zu fühlen, den anderen mutig im Yin (im Chaos), um sich verändern und Neues lernen zu können. Zu viel Ordnung macht uns starr und festgefahren, zu viel Chaos lässt uns den Überblick verlieren. Beides ist notwendig – der Tanz der Gegensätze ist der Tanz des Lebens.

Yin & Yang: Eigenschaften & Persönlichkeit

Durch diese Ausführungen lassen sich auch schon einige Zuordnungen schließen: Yin steht für passive, rezeptive, veränderliche Aspekte. Es wird mit dem Mond, der Erde, der Nacht und Kälte assoziiert. Yang hingegen symbolisiert Aktivität, Stabilität und Führung. Ihm werden die Sonne, der Himmel, der Tag und Wärme zugeordnet. Yin wird als weibliche Energie gesehen, Yang als männliche. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass es sich dabei nicht um geschlechtsspezifische Eigenschaften handelt, sondern vielmehr um archetypische energetische Prinzipien. Denn wie uns das Yin-&-Yang-Symbol so schön zeigt, sind in allem beide Teile enthalten. 

Auch in unserer Persönlichkeit können wir diese Aspekte entdecken. Yin ist introvertiert, Yang extrovertiert. Yin wartet und folgt, Yang gibt den Ton an. Wir alle haben beide Teile in uns, die je nach Situation und Umfeld in ständigem Wechselspiel stehen. Ich zum Beispiel merke, dass ich im Arbeitsleben häufiger aus der strukturbetonten Yang-Energie agiere. Privat hingegen lasse ich mich ganz im Yin-Stil gerne treiben. Es ist unglaublich spannend, diesen Tanz der Gegensätze in und um sich herum zu beobachten.

Yin & Yang in der Gesundheit

Das grundlegende Verständnis von Yin & Yang bildet auch die Grundlage für die Traditionelle Chinesische Medizin. Hier werden unter anderem Organe in Yin-&-Yang-Paare eingeteilt, die einander beeinflussen und im Idealfall ausgleichen. Jedem Organ ist eine Tageszeit, ein Element, eine Jahreszeit und andere Yin- bzw. Yang-typische Eigenschaften zugeordnet. Im Zentrum steht das Prinzip des Ausgleichs.

Ähnliche Ansätze finden wir in weiteren traditionellen Heilmethoden, wie beispielsweise dem Ayurveda. Immer geht es um ein optimales Zusammenspiel verschiedener Kräfte, was unter anderem auch in der Elementelehre verdeutlicht wird.

Keine Balance ohne Gegensätze

Häufig wird im Zusammenhang mit Gesundheit oder Persönlichkeitsentwicklung von Balance gesprochen. Sie findet in Ausdrücken wie „Work-Life-Balance“, „Ausgleichssport“, „die goldene Mitte“ oder „die Balance finden“ Eingang in unseren täglichen Sprachgebrauch. 

Was man seltener hört: Balance ist ein Zusammenspiel von Gegensätzen. Es braucht immer zwei Pole, zwischen denen man sich hin- und her bewegen kann. Balance ist etwas Dynamisches – insofern kann man sie auch weder finden noch bewahren, sondern immer nur von einem Moment zum anderen neu erschaffen. Balance ist Bewegung – ein Tanz der Gegensätze eben.

Und dieser Tanz der Gegensätze ist der Tanz des Lebens. Wir finden ihn in der Natur und auch in uns selbst. Also lassen Sie uns tanzen und beide – alle – Seiten erkunden, anerkennen und integrieren.

UNSERE BUCHTIPPS:

  • Jordan B. Peterson: 12 Rules for Life – Ordnung und Struktur in einer chaotischen Welt. 2018
  • Alan Watts: Weisheit des ungesicherten Lebens. 2014 
  • Eckhart Tolle: Eine neue Erde. 2015.
  • Deepak Chopra: Die sieben geistigen Gesetze des Erfolgs. 2004

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