Ab unter die Brause!

Wie viel duschen muss sein? Was ist kulturelles Stinken? Und macht uns Kaffee müffelig?

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Bei der Körperhygiene scheiden sich die Geister. Brauchen die einen die morgendliche Dusche zum Aufwachen, schwören die anderen auf Katzenwäsche der „wichtigen Stellen“. Fakt ist: Wer nicht täglich sportelt oder einem körperlich anspruchsvollen Beruf nachgeht, muss auch nicht täglich unter die Brause. Genauso individuell wie unser Verlangen nach Frische und Sauberkeit ist auch unsere persönliche Duftnote. Und diese hängt – erraten – von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Habe ich Stress? In welchem Zeitraum meines Zyklus stehe ich gerade? Und was habe ich heute eigentlich zu Mittag gegessen?

Haut-Basics

Dermatologen lieben diesen Trick: Einfach so wenig wie möglich duschen. Klingt etwas vereinfacht? Ist es auch. Spezialisten für Haut und Haar werden aber zustimmen, dass eine Reduktion des Wasserwerfens auf die Dermis der Hautgesundheit zuträglich ist. Der berühmte Säureschutzmantel, den unser Körper in freundlicher Kooperation mit seinem Bakterienzoo auf der Hautoberfläche bildet, schützt vor schädlichen Eindringlingen. Dazu gehören Bakterien und Mikroben (von der unliebsamen Sorte), Viren, Pilze und generell: Dreck. 
Häufiges Waschen trocknet die Hautoberfläche stark aus (das wissen die meisten von uns spätestens seit pandemiebedingtem häufigem Händewaschen und ständig trockener Hände als Begleiterscheinung). Trockene Haut besitzt kaum Abwehrkräfte gegen böswillige Eindringlinge. Hier müssen wir also nachhelfen, um die Haut geschmeidig zu halten. Ein gesunder Körper hat übrigens ein sogenanntes Immungedächtnis. Wir brauchen ein gewisses Level an Immunattacken von außen, um unser Immunsystem zu schulen und es in seiner Abwehrfunktion zu stärken. Sich nicht jeden Tag dreimal zu duschen, kann also als Grundausbildung oder Berufsschule für Ihre Epidermis gesehen werden.

Dusch-Einmaleins

Aber zurück zum Duschen. Wie oft ist sinnvoll? Daumenregel: Duschen Sie nach dem Sport. Duschen Sie nach einem körperlich anstrengenden Tag (sprich, Schweißaustritt am ganzen Körper). Und wenn nichts von alldem zutrifft, duschen Sie jeden zweiten Tag. Das reicht vollkommen. Für die Tage dazwischen tut’s der gute alte Waschlappen. Ein wenig milde Seife oder Duschgel und ab geht die Post. Aber bitte nur in den sogenannten Schweißrinnen und an den aprokrinen Schweißdrüsen. Der Rest darf bis zum Waschtag warten. Selbst unter der Dusche reicht es, sich diesen Stellen mit Seife zu nähern und den Rest mit klarem Wasser zu waschen.
Schweißrinnen befinden sich an der Rumpfvorderseite, entlang des Brustbeins, sowie am Rücken. Die hintere Schweißrinne ist eine Spiegelung der vorderen und verläuft an der Wirbelsäule entlang zwischen den Schulterblättern und etwas weiter nach unten in den Lendenbereich. Diese Areale werden besonders schnell schweißnass.

Was riecht hier so streng?

Und dann wären da die apokrinen Schweißdrüsen. Die Stinker unter den Befeuchtern. Der Alptraum aller Geruchsempfindlichen. Apokrine Schweißdrüsen sitzen in den Achselhöhlen und im Genitalbereich. Mit Einsetzen der Pubertät beginnt es an diesen Stellen auch schon mal ganz schön unangenehm zu riechen. Hier werden Hormoncocktails in die Umwelt getragen, um ein paarungswilliges Gegenüber anzulocken. 
Proteine und Fette verteilen sich dabei auf der Haut und ernähren so haufenweise Bakterien. Die Abbauprodukte aus dem Festmahl der Bakterien sind die eigentlichen Übeltäter. Denn sie bedienen olfaktorisch ein breites, aber nicht unbedingt angenehmes Geruchsspektrum. Was hilft? Wasser. In den meisten Fällen hilft tatsächlich der gute alte Waschlappen. Etwas Seife gegen die Bakterien und das war’s. Das gilt auch für alle, die sich im Büro zwischendurch erfrischen wollen. Ein feuchtes Tuch entfernt Bakterien und geruchsbildende Stoffe. Das hilft weit mehr, als übermäßig viel Deo aufzutragen, dessen Geruch sich auch noch mit dem eigenen vermischt.

Riechen wir alle gleich?

Nein. Wir alle haben einen individuellen Körpergeruch, quasi einen olfaktorischen Fingerabdruck. Nur eineiige Zwillinge riechen in der Theorie gleich. Aber auch hier haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn was wir aufgetischt bekommen und über den lieben langen Tag in uns hineinschaufeln, nimmt starken Einfluss auf unseren Körpergeruch. Kaffee kann den Schweiß unangenehm riechen lassen, genauso wie intensive Gewürze wie Curry oder auch Knoblauch. Auch mit Eiern haben wohl schon viele von uns unangenehme Überraschungen erlebt. Ein sehr prägender Moment war für mich, als ich im Fitnesscenter immer wieder einem Bekannten begegnet bin, der für ein Bodybuilding-Event trainierte. Am Ende seiner Vorbereitungszeit erreichte für mich der Wahnsinn seinen Höhepunkt. Sage und schreibe 30 Eier verleibte sich der Mensch jeden Tag ein, gepaart mit stark entwässernden Produkten. Der Nebeneffekt: Nicht nur seine Muskeln waren übermäßig definiert, sondern auch sein Körpergeruch. Die Schwefelverbindungen der Hühnereier haben sich wohl auch durch die Poren ihren Weg nach draußen gebahnt. Deshalb: Alles mit Maß und Ziel.

Duschen mit der Stoppuhr

Auch über die Duschdauer wird immer wieder diskutiert. Der Expertentipp: So lange wie nötig, so kurz wie möglich und nicht übertrieben heiß. Das spart Wasser und Energie und die Haut wird nicht übermäßig beansprucht. Setzen Sie wenn möglich auf Naturprodukte ohne künstliche Farb- und Duftstoffe. Wer nicht mit hartnäckigem Schmutz (Schmier- und Kettenöle) oder hartnäckigen Gerüchen (starker Küchengeruch) fertigwerden muss, ist nach dem Einseifen mit regulärem mildem Reinigungsschaum oder Seifen quietschesauber.

Schlussplädoyer für den Waschlappen

Dass sich Nordamerikaner besonders häufig duschen, haben manche vielleicht schon mitbekommen. Viele (Beauty-)Trends kommen aus den USA. Und so auch viele Mythen. Dass es notwendig sei, mehrmals am Tag zu duschen, zum Beispiel. Dass es eklig sei, nicht überall frei von Körperbehaarung zu sein. Frei nach dem Grundsatz: Alles, was nach Mensch riecht und aussieht, ist ungesund und unhygienisch. Auch hier sollte mit gesundem Augenmaß der Weg zur Mitte angestrebt werden und die kulturelle Nasenklammer auch mal in der Mottenkiste verschwinden. Niemand möchte nach Schweiß riechen. Aber oft tut’s auch der gute alte Waschlappen. Denn der erreicht alles, was wirklich heikel ist. Und spart Bereiche aus, die man auch mal einen Tag sich selbst überlassen kann. Ihrer Haut und unserer Umwelt zuliebe.

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