Wenn Milch weh tut – das Leben mit Laktoseintoleranz

Ich kann mich noch daran erinnern, als ob es gestern war: Die plötzlich eintretenden Bauchkrämpfe, beginnend in der Magengegend, die zu einem unaufhörlichen Darmrumoren werden. Die Übelkeit, Hitzewallungen, die von den unsagbaren Schmerzen herrühren, und all das mitten am Bahnhof irgendwo im Nirgendwo.

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Ich war kurz zuvor zu Besuch bei meiner Großmutter gewesen, welche ihren herrlich cremigen, nach Zimt duftenden Milchreis für mich gekocht hatte. Es schmeckte wie der Himmel auf Erden – bis eine Stunde später am Bahnhof die Schmerzen einsetzten. Ich spürte, dass ich die Toilette aufsuchen musste – und das schleunigst! Endlich nach minutenlangem Suchen (es fühlte sich an wie Stunden), fand ich sie und, wie es das Pech so will, war die Türe verschlossen und weit und breit kein Bahnhofspersonal zu finden. So oder so ähnlich geht es Menschen mit einer Laktoseintoleranz, die meist gar nicht wissen, dass sie eine haben.

Laktoseintoleranz oder Milchzuckerunverträglichkeit

Damals wusste ich nicht, woran es lag. Ich wurde immer wieder von den Krämpfen und naja, Sie wissen schon, heimgesucht. Irgendwann wollte ich wissen, woher die Schmerzen kommen und so ließ ich mich auf Fruktose-, Laktose- und Histamin-Unverträglichkeit testen.

Wie die Testung abläuft erfahren Sie weiter unten, aber zuerst beschäftigen wir uns mit der Unverträglichkeit per se. Was bedeutet es auf etwas „unverträglich“ zu sein?

Intoleranz ist nicht gleich Allergie

Viele denken, dass eine Laktoseintoleranz mit einer Milchallergie gleichzusetzen ist. Das stimmt aber nicht. Auf etwas intolerant zu sein, bedeutet, dass man eine Nahrungsmittelunverträglichkeit hat. Die Symptome treten bei einer Intoleranz nicht immer gleich heftig auf. Dabei ist die Empfindlichkeit gegenüber Milchzucker von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt von der Laktose- bzw. Laktasemenge im Körper ab.
Die Beschwerden treten ungefähr eine Stunde nach dem Verzehr von milchzuckerhaltigen Speisen auf. Aber auch das kann sehr stark von Person zu Person variieren. Bei mir treten Beschwerden manchmal nur einige Minuten nach dem Verzehr, manchmal aber auch erst Stunden danach ein.

Was bedeutet Intoleranz?

Sehen wir uns das doch etwas genauer an:

Bei Laktoseintoleranz oder auch Milchzuckerunverträglichkeit wird der mit der Nahrung aufgenommene Milchzucker als Folge fehlender oder verminderter Produktion des Verdauungsenzyms Laktase nicht oder nur unvollständig verdaut. Dabei kommt es häufig zu Symptomen wie:

  • Aufgebläht sein
  • Völlegefühl
  • Übelkeit/Erbrechen
  • Blähungen
  • Bauchkrämpfe
  • Durchfall

Licht ins Dunkle bringen

Unverträglichkeitstest können aufwendig und kostenintensiv sein, daher können Sie durch Ausschlussverfahren eine Selbstdiagnose durchführen:
Streichen Sie einige Tage Laktose konsequent von Ihrem Speiseplan. Das heißt: keine Kuhmilch in Form von Rahm, Käse, Milch, Joghurt usw. Achten Sie wirklich akribisch darauf, was Sie zu sich nehmen, denn Laktose ist häufig in Form von Pulver in Fertiggerichten und Gewürzen.
Treten in dieser Zeit keine Symptome auf, ist eine Laktoseintoleranz möglich. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, trinken Sie nach einer beschwerdefreien Phase ein Glas mit gelöster Laktose (in Drogerien und Apotheken erhältlich) und achten Sie auf mögliche Symptome.

Ich wollte ein schnelles, zuverlässiges Ergebnis, daher habe ich mich in einem Allergiezentrum mittels H2-Atemtest testen lassen. Dieser Test ist oft mit einem Fruktose-Test gekoppelt. Die Kosten werden jedoch nicht von der Krankenkasse übernommen.

Der H2-Atemtest ist der sicherste Weg, um sofort Klarheit zu gewinnen.

H2-Atem-Test

Dieses Verfahren basiert auf dem Nachweis von Wasserstoff (H2) in der Ausatemluft. Dies ist ein indirekter Nachweis des Laktasemangels.

Der Test wird meist morgens auf nüchternen Magen durchgeführt. Nehmen Sie sich den Tag frei, da Sie bei einer Laktoseintoleranz mit heftigen Beschwerden rechnen müssen.

Im ersten Schritt wird der sogenannte Basalwert auf nüchternen Magen bestimmt. Dabei bläst man in ein Gerät – ähnlich des Alkoholmessgeräts der Polizei. Dieses Gerät zeigt dann die Wasserstoffkonzentration in der ausgeatmeten Luft an.
Anschließend bekommen Sie ein Glas Wasser mit 50 Gramm aufgelöster Laktose zu trinken. Geschmacklich nicht gerade eine Gaumenexplosion, aber was tut man nicht alles für die Gesundheit?
Danach wird in Abständen von 15 Minuten wiederholt in das Gerät geblasen und der Wasserstoffanteil der Atemluft gemessen.
Bei Menschen ohne Laktoseintoleranz steigt die Wasserstoffkonzentration in der ausgeatmeten Luft nach Einnahme der Zuckerlösung gegenüber dem Basalwert nicht an. Wenn der Unterschied zwischen den abgeatmeten Wasserstoffmengen vor und nach der Zuckergabe ein gewisses Ausmaß (mehr als 20 ppm gegenüber dem Ausgangswert) überschreitet, dann haben Sie eine Laktoseintoleranz.

Den Alltag mit Laktoseintoleranz beschreiten

Sie sind laktoseintolerant? Verzagen Sie nicht! Es gibt mittlerweile so gut wie fast jedes Lebensmittel auch als laktosefreie Variante.
Was ich über die Jahre für mich entdeckt habe und wie ich den Alltag beschreite, verrate ich Ihnen nun.

Laktoseintoleranz ist ein Biest

Alternativen zu Kuhmilch und Co. gibt es heutzutage in Hülle und Fülle, Milch zu umgehen ist also nicht so sehr das Problem. Der Hund liegt jedoch in der Unberechenbarkeit begraben. Was ich damit meine?! Ich lebe schon seit elf Jahren mit dieser Unverträglichkeit. Ich kann also sehr gut einschätzen, wann und wie viel Milch ich zu mir nehmen kann. Doch trotzdem bleibt mir die eine oder andere – nennen wir es mal – Überraschung nicht erspart. Natürlich meistens genau dann, wenn ich es am allerwenigsten brauche.

Ich plaudere jetzt aus meinem ganz persönlichen Nähkästchen:

Hören Sie auf Ihren Körper

Ich hatte einen Frisörtermin und kurz davor zwei Schlucke meines Lieblingseiskaffees getrunken (normalerweise kann ich diesen ohne Probleme trinken), aber natürlich an diesem Tag nicht. Mein Darm entschied sich dazu, Radau zu machen. Und so kam es, dass ich während des Waschens, Schneidens und Föhnens nervös und mit Bauchschmerzen geplagt auf dem Stuhl hin- und herrutschte. Nicht sehr entspannend, oder?

Wie kommt’s also, dass man gerade dann, wenn man es am wenigstens braucht, besonders sensibel auf Laktose reagiert?
Ein Erklärungsversuch könnte Stress und Hormone sein. Zum Beispiel habe ich für mich herausgefunden, dass ich in bestimmten Zyklusphasen meiner Periode besonders heftig auf Milchzucker reagiere. Auch die Jahreszeit spielt (zumindest bei mir) eine Rolle. Und Stress – der Übeltäter für gefühlt alles – macht unseren Magen-Darm-Trakt auch ganz besonders sensibel.

Probieren geht über Studieren

Ein Tipp, der sich sicher nicht für jeden eignet, ist: Ich verzichte nicht komplett auf Kuhmilch und Co.
Viele streichen laktosehaltige Lebensmittel radikal vom Speiseplan. Ich möchte aber nicht komplett auf Milchprodukte verzichten und habe zudem bemerkt, dass ich noch sensibler auf Laktose reagiere, wenn ich einige Zeit keinerlei Milchzucker zu mir nehme.

Auf nüchternen Magen Laktose ist ein No-Go, daher lautet mein oberstes Gebot: Kuhmilch am Morgen bereitet mir Kummer und Sorgen.

Ein Sommer ohne Eis ist ja bekanntlich kein Sommer, daher lass ich mir die eiskalten Gaumenfreuden auch nicht von meiner Laktoseintoleranz vermiesen! Laktosefreie Eissorten gibt es häufig nicht, daher habe ich immer ein Päckchen Laktosetabletten in meiner Tasche. Wie viele davon Sie vor der Mahlzeit einnehmen müssen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es dauert zwar ein bisschen, bis Sie die richtige Dosierung für sich gefunden haben, aber Probieren geht ja bekanntlich über Studieren.

Also ein positiver Laktosetest ist kein Weltuntergang. Heutzutage gibt es so gut wie fast jedes Lebensmittel auch als laktosefreie Variante. Falls Sie nicht auf Ihren Cappuccino mit Milchschaum verzichten wollen, gibt es pflanzliche Alternativen zu Milch.

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