Wenn Liebe toxisch wird

Beziehungen sollten eigentlich eine Quelle von Liebe, Geborgenheit und Wohlgefühl sein. Was aber, wenn daraus eine ungesunde Abhängigkeit entsteht und Manipulation die Liebe überschattet? Was sind toxische Beziehungen und woran erkennt man sie?

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Am Anfang war die Liebe. Oder die Anziehung. Oder zumindest guter Sex. Eine Beziehung beginnt, wie wir sie kennen: intensive Gefühle, viel Zeit zu zweit, die rosarote Brille. Und nach ein paar Jahren steht plötzlich eine gebrochene Persönlichkeit vor uns. Diagnose: toxische Beziehung. Aber was heißt das eigentlich genau?

Schuld, Manipulation, Macht

Das sind die drei Schlagworte, die in der Aufarbeitung toxischer Beziehungen so gut wie immer fallen. Toxische Partner oder Partnerinnen verwenden manipulative Techniken, um langsam, aber stetig Gefühle von Schuld, Unzulänglichkeit und Unterordnung zu erreichen. Diese Beziehungen sind oft von häufigen Streitereien und subtilen Untergriffigkeiten gekennzeichnet, gepaart mit immerwährenden Versöhnungen und Liebesbekundungen, die den Streit zu übertünchen versuchen.

Vorsicht vor Twistern

Das „Twisten“ oder bewusste Verdrehen von Sachlagen und Fakten gehört zu toxischen Beziehungen wie das Amen im Gebet. Bezeichnet man auf Englisch jemanden als „twisted“, drückt das sehr treffend einen täuschenden (weil verdrehenden) Charakterzug aus. Diese Menschen wenden manipulative Techniken an, um Schuldgefühle zu erzeugen und das Machtgefälle in Beziehungen zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Hier sollten Sie hellhörig werden. Der Klassiker: „Schon wieder Mädels-Abend? Ist dir mit mir langweilig?“ Hier werden zwei Dinge vermischt, die so gar nichts miteinander zu tun haben. Das Bedürfnis des Gegenübers, Sozialkontakte aufrechtzuerhalten, auf der einen Seite, und eine unterstellte Abwertung der eigenen Person durch dieses Bedürfnis auf der anderen Seite. Sich hier in die Ecke der Schuldigen drängen zu lassen, geht schneller, als man denkt.

Machtgefälle und Abhängigkeit

Werden solche Unterstellungen häufig ausgesprochen, manifestiert sich eine „neue Wahrheit“ in der Beziehung. Der Mensch lernt durch Wiederholung. Und das geht in beide Richtungen. Gesunde Routinen können unser Leben auf eine sehr positive Art beeinflussen. Negative Routinen können uns jedoch auch in die Abwärtsspirale bringen. Je öfter wir hören, dass wir unzulänglich sind, uns nicht genug um unseren Partner kümmern, dass wir egoistisch sind, weil wir unseren Interessen nachgehen, desto eher wird diese Aussage zur neuen Wahrheit, die nicht selten von beiden Seiten akzeptiert wird. Diese Unterstellungen sind es, die ein moralisches Machtgefälle in der Beziehung erzeugen.

Von himmelhoch jauchzend …

… bis zu Tode betrübt in unter zwei Stunden: Ein drastisches Symptom toxischer Beziehungen ist das blitzschnelle Auf und Ab der Gefühlswelten der Beteiligten. Wähnte man sich gerade noch in Sicherheit und Liebe, kann es nach kürzester Zeit genau umgekehrt aussehen. Diese Dynamik hat für Betroffene fast etwas süchtig Machendes. Und so schlimm es ist: Der Nervenkitzel hält Menschen oft länger gefangen, als sie sich dessen bewusst sind. Auch das ständige Versöhnen kann zur Sucht werden. „Oh, er liebt mich doch“, „Ah, ich bin ihr also doch wichtig“. Auf gewisse Weise ist es Zuckerbrot und Peitsche. Einem emotionalen Tief folgt ein scheinbar liebevolles Hoch. Es ist jedoch genau diese Volatilität, die im Hintergrund an der eigenen Resilienz (unserem natürlichen psychischen und emotionalen Schutzschild) zehrt, Betroffene an sich zweifeln und im schlimmsten Fall an der Beziehung zerbrechen lässt.

Nicht nur in den eigenen vier Wänden

Obwohl der Begriff der toxischen Beziehung hauptsächlich Liebesbeziehungen beschreibt, lässt sich das Konzept auf alle Beziehungstypen umlegen. Die Beziehung zu den Eltern kann toxisch sein, wenn Elternteile die Schuld-Karte ausspielen, um Aufmerksamkeit, Zuwendung und Liebe zu bekommen. Oder sie durch ständiges Unterdrücken alte Machtgefüge erhalten wollen, obwohl die Kinder längst erwachsen sind und eigenständig leben möchten. Ebenso finden toxische Verflechtungen am Arbeitsplatz statt. Der Kollege, der sich immer wieder etwas zu intensiv annähert und bei Zurückweisung das Gegenüber beschuldigt, durch schroffes Verhalten die gute kollegiale Stimmung zu zerstören. Oder Bekannte und Freunde, die einen zum Weinstein machen und sich nur melden, wenn es ihnen schlecht geht, sich aber nicht für ihr Gegenüber interessieren.

Was tun?

An erster Stelle steht wie so oft: Bewusstsein. Dass sich jemand uns gegenüber toxisch verhält, merken wir nicht immer sofort. Haben wir es mit Meistern ihres Fachs zu tun, sind viele Sticheleien so subtil, dass man anfangs nicht genau sagen kann, woher das eigenartige Gefühl kommt, das man nach Aufeinandertreffen mit diesen Personen in der Magengrube verspürt. Irgendetwas passt nicht. Je mehr Sie in Wort fassen können, was Sie stört und was es in Ihnen auslöst, desto besser kommen Sie gegen das toxische Gegenüber an. Wichtig: Ein großer Teil des unangenehmen Gefühls rührt daher, dass wir die Schuld und Unzulänglichkeit bei uns selbst suchen. Denn das ist es ja, was uns ständig suggeriert wird. Holen Sie sich also ruhig auch andere Meinungen ein. Erklären Sie die Faktenlage und fragen Sie Freunde: „Ist das nur meine Überreaktion oder läuft hier wirklich etwas schief?“

Allein oder zu zweit?

Danach gilt es, diese Dinge auch bei den Verursachern anzusprechen, um für Klarheit zu sorgen. Wichtig ist anzumerken, dass toxische Personen nicht immer absichtlich so agieren, wie sie es tun. Oft stecken sogenannte maladaptive Verhaltensmuster aus der Kindheit dahinter und – in den meisten Fällen – ein geringes Selbstwertgefühl, das durch das Unterdrücken oder Kleinhalten des Gegenübers überspielt wird. Paartherapie? Jein. Problematische toxische Verhaltensmuster sollten eigentlich in Einzeltherapie bearbeitet werden, da sie ein Hinweis auf noch nicht verheilte Wunden sind. Wenn die Paartherapie der Weg dahin ist – super.

Generell gilt: Schauen Sie auf sich und darauf, dass es Ihnen gut geht. Sie sind nicht für die „Rettung“ Ihres Partners verantwortlich. Wenn Ihr Gegenüber Ihr Wohlbefinden kontinuierlich und trotz konkreten Ansprechens negativ beeinflusst, ziehen Sie die Konsequenz, die langfristig am besten für Sie ist. Eine Beziehung soll Spaß machen und Freude und Liebe bescheren. Wenn das die Achterbahnfahrt der Gefühle nicht mehr zulässt, ist es gesünder, einen bewussten Schritt zurückzumachen, um nicht im emotionalen Trubel unterzugehen.

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