Gefangen im Netz

Push-Nachrichten, Insta-Trends, TikTok – der Digital-Krake greift unaufhörlich um sich. Und wickelt auch uns dabei ganz schön ein. Fühlen Sie sich dabei manchmal überrollt? Dann lesen Sie weiter.

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Das Buch ist heute bestellt, morgen schon im Briefkasten. Das Fotoalbum mit Babybildern ist in einer Stunde online kreiert. Und der fesche Mann auf Tinder ist um 20 Uhr gematcht und um 23 Uhr … naja, Sie wissen, was ich meine. Sind wir Menschen auf so viel Geschwindigkeit programmiert?

Läuft doch

Die Digitalisierung hat uns immense Fortschritte gebracht. Dank WhatsApp und Facebook bleiben wir auch nach zehn Jahren noch mit unseren Freunden aus Australien in Kontakt. Der Kühlschrank bestellt selbstständig Bier nach, wenn die Getränkelade leer wird. Und endlich erledigt sich auch die Steuererklärung auf Knopfdruck. Was soll daran schlecht sein?

Die Geschwindigkeit macht’s

Das sogenannte mooresche Gesetz besagt, dass sich alle ein bis zwei Jahre die Leistungsfähigkeit von Computern verdoppelt bzw. die Komponenten nur mehr halb so groß oder halb so teuer sind. Das war für Technik bis vor einigen Jahren der Fall. Veränderungen passieren heutzutage jedoch noch schneller, nämlich exponentiell. Wir sehen also keine stetig ansteigende Gerade, sondern steil in die Höhe schießende Kurven.

Zu viel für’s Gehirn

Die Wissenschaft weiß heute, dass das Gehirn mit exponentiellen Anstiegen und Verhältnissen nicht wirklich umgehen kann. Wir sind linear oder im besten Fall zirkular gepolte Wesen. Mir ist z. B. schon einmal Weihnachten pro Jahr zu viel. Wir leben im Einklang mit der Natur im Jahreszyklus und diese kennt abgesehen von Bakterienwachstum und globaler Erwärmung (wenn wir so weitermachen) kaum exponentielle Veränderungen. Doch das ist nicht das Einzige, womit sich unser Gehirn schwertut.

Alleskönner Mensch

Ein regulärer Office-Job hat mit der einstigen Vorzimmerschreibkraft nur mehr wenig gemein. Waren früher die Aufgaben klar verteilt (Bauleiter ist auf der Baustelle, Zeichner im Schreibkammerl und Assistenz an der Schreibmaschine), macht heute alles eine Person. Weil sie es dank Computerunterstützung theoretisch kann. Im Detail liegt aber wie so oft der Hund begraben. Denn …

… wir multitasken bis zur Depression

Wir erledigen heute nicht nur alle Aufgaben selbst – sondern auch gleichzeitig. Zehn geöffnete Tabs sind für einen Social-Media-Manager Standard, um ja alles im Blick zu haben, Mediabudget und Community-Postings zu überwachen und Kampagnen auf ihre Performance zu kontrollieren; und nebenbei bitte noch die neuesten Trends und Katzenfotos ausfindig machen, die gerade als Memes das Netz überschwemmen. Als ich selbst noch Social-Media-Redakteurin war und meinen Eltern versucht habe zu erklären, was alles zur Job Description gehört, konnte ich mir anhand des Schweigens am Telefon bereits die Fragezeichen in den Gesichtern ausmalen. So viel auf einmal? Und dann auch noch von jetzt auf gleich?

Multitasking ist fürs Gehirn kein Spaß. Einerseits sind wir laufend mit einer Flut von Entscheidungen konfrontiert (Kampagne fertig gestalten oder auf dieses Posting vom Internet-Troll antworten? Onlinebestellung abschließen oder der Freundin retour mailen?), sondern produzieren dabei auch eine Vielzahl von Stresshormonen wie Cortison und Adrenalin, das uns in einen ständigen „Fight and Flight“- Modus versetzt. Das Ergebnis? Wir sind schneller am Limit, werden in Ruhephasen wie im Urlaub öfter krank, können uns abends nicht entspannen und finden es generell schwer, einfach mal zur Ruhe zu kommen. Sensible Menschen schlittern so nicht selten in Burn-outs oder Depressionen.

Digitale Köder

Wieso fällt es uns eigentlich so schwer, uns von digitalen Medien zu lösen, selbst wenn wir es wollen? Nun, Wirtschaftszweige, die mit unserer Aufmerksamkeit Geld verdienen, machen es uns nicht leicht. Game-Designer platzieren Belohnungen an der richtigen Stelle, um uns bei der Stange zu halten. Serienfolgen hören am spannendsten Punkt auf und soziale Medien spielen ohnehin mit menschlichen Urbedürfnissen nach Gemeinschaft (Follower), Anerkennung (Likes) und Macht (Anzahl der Follower plus Anzahl der Likes). Und seit unsere Apps für Second Screen (Handy neben TV oder Computer) auch für den Desktop verfügbar sind, ist es überhaupt aus mit der Konzentration.

Luft im Kopf

Doch damit nicht genug. Digitale Inhalte und Trends wirken auf unseren Geist wie Helium auf einen Luftballon. Je mehr News, Hashtags und digitale Distraktionen wir in unser Leben lassen, desto mehr Helium pumpen wir in den Ballon, desto mehr hebt er ab und befördert unseren Geist in Sphären außerhalb des greifbaren Hier und Jetzt. Je öfter das passiert, desto schwerer fällt es uns, im „echten“ Hier und Jetzt auch wieder anzukommen. Ein Buch zu Ende zu lesen, einen Film ohne Second Screen (Handy in der Hand) zu schauen, mit dem Hund Gassi zu gehen, ohne dabei Instagram zu checken.

Was hilft?

So – jetzt mal tief durchatmen (= im Hier und Jetzt ankommen), und das Ganze aus ein wenig gesunder Distanz betrachten.
Distanz ist auch das Zauberwort, doch davor kommt ein wichtiger Punkt, nämlich: Bewusstsein. Ist es für uns zur Routine geworden, 80-Mal pro Tag zum Smartphone zu greifen, gilt es das erstmal zu realisieren. Denn wir wissen: Routinen zu ändern, ist verdammt schwer. Merken wir, dass wir ständig dem Automatismus aufsitzen, können wir auch etwas daran ändern, z. B. sich selbst ein Zeitlimit auferlegen, um nicht vier Stunden, sondern nur eine Stunde pro Tag Insta-Storys zu checken, die neue Fashion-Kollektion zu begutachten oder Welpen-Videos zu streamen.

Echte Routinen

Am besten wirken allerdings Anker in der richtigen Welt. Routinen, die uns guttun und uns mit unserer Umgebung und Mitmenschen in Verbindung und Berührung bringen. Der tägliche Spaziergang an der frischen Luft. Abendessen kochen mit dem Lieblingsmenschen. Zweimal die Woche ins Crossfit, in die Badmintonhalle oder zum Yoga. Hier erklären wir übrigens Schritt für Schritt, wie Sie sich gute Gewohnheiten antrainieren und die schlechten links liegen lassen.

Sie fühlen sich immer noch im Netz gefangen? Dann kreieren Sie handyfreie Zonen und Time Slots. Nach dem Heimkommen Handy auf Flugmodus. Und morgens am Weg zur Arbeit können Sie in Ruhe nachlesen, was die Welt in den letzten zwölf Stunden bewegt hat, ohne ständig darauf reagieren zu müssen. Und mein Lieblingstipp: Mindestens alle zwei Wochen Face-to-Face Kontakt mit der besten Freundin. Denn das verankert uns im Jetzt, holt unseren Kopf aus der Helium-Wolke und lässt uns offline am Leben teilhaben.

Weiterführende Links:

  • App-Tips: Sogenannte „Phone-Habit-Tracker“ in Form von Apps wie „Checky“ oder „YourHour“ helfen dabei, die Bildschirmzeit zu eruieren und sie ggf. zu reduzieren.
  • Link-Tipp: Studie der Universität Bonn zur Smartphone-Nutzung und Depressionen
  • Buchtipp: Arne Prieß (Hrsg): Digital Overload Management, Modernes Zeitmanagement als Überlebenshilfe in der New Work. Haufe Verlag, 2019

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