Physische und psychische Belastungen während des Hahnenkamm-Rennens

Es gehört einfach viel Mut dazu, um auf dieser Strecke zu bestehen.“ Prof. Dr. Andreas Janousek, Teamarzt im ÖSV, über die Steilheit und Gefährlichkeit der Pisten in Kitzbühel.

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Die Generali begleitet auch diese Saison wieder den Ski-Weltcup und hat sich im Zuge des Hahnenkamm-Rennens gefragt: Welchen körperlichen Extremen sind die Sportler auf der Streif ausgesetzt? Darum baten wir Prof. Dr. Andreas Janousek, Facharzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie und seit 1997 Teamarzt im ÖSV, zum Interview.

Außergewöhnliche körperliche Leistung der Rennläufer

Dass Disziplin und regelmäßiges Training zum Leben eines Profisportlers gehören, ist bekannt. Wir wollen jedoch wissen, was es benötigt, um einen Lauf auf der Streif zu absolvieren. Darüber hinaus sind die Rennläufer außergewöhnlichen körperlichen Leistungen ausgesetzt – welche das sind, auch das verrät uns der Sportmediziner.

Herr Prof. Dr. Janousek, Facharzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, der sich auf Sportverletzungen, vor allem im Bereich des Kniegelenks, spezialisiert hat, verrät uns im Interview, dass er zum Hahnenkamm-Rennen einen ganz besonderen Bezug hat. 

Zum Hahnenkamm-Rennen habe ich eine besondere Beziehung, da ich am Anfang meines Medizinstudiums als Skilehrer in Kitzbühel gearbeitet habe und daher die Strecke sehr gut kenne. Ich hatte immer sehr großen Respekt vor der Steilheit und Gefährlichkeit dieser Piste und muss sagen, dass mein uneingeschränkter Respekt den Menschen gilt, die dort im Renntempo hinunterfahren.“

Als Erstes wollen wir wissen, welchen Risiken ein Hobbysportler ausgesetzt wäre, wenn dieser versuchen würde, die gleiche Strecke zu bewältigen.

Gute Vorbereitung und intensives Training

Beim Hahnenkamm-Rennen im Spitzensport treten Kräfte im 3G-Bereich auf, da die Skifahrer dort mit einer sehr hohen Geschwindigkeit die Kurven fahren. Zu den Fliehkräften kommen noch Unebenheiten in der Piste und stetige Richtungswechsel hinzu, die vom Körper bewältigt werden müssen“, so Prof. Dr. Andreas Janousek, Teamarzt im ÖSV.

Weiters erzählt er, dass Laien solche hohen Geschwindigkeiten auch erreichen können – allerdings fest angeschnallt in einer Achterbahn.

Beim Hahnenkamm-Rennen hat bereits der Starthang eine Neigung von ca. 80 Prozent und die Skifahrer erreichen bereits nach acht Sekunden eine Geschwindigkeit von über 100 Stundenkilometern. Neben dieser hohen Beschleunigung und der rasanten Geschwindigkeit müssen die Fahrer Sprünge von bis zu 80 Metern absolvieren. Ich würde sagen, dass für den Fall, dass es ein Teilnehmer ohne entsprechendes Training schafft, den steilen Hang zu überwinden, das Rennen spätestens bei der Landung nach dem Sprung zu Ende wäre.“ 

Prof. Dr. Andreas Janousek, Teamarzt im ÖSV, geht davon aus, dass sich Hobbysportler bei der Landung schwere Verletzungen, unter anderem Knochenbrüche und Bandverletzungen, zuziehen würden. Der Grund dafür ist, dass in solchen Situationen ein enormer Druck vom Mehrfachen des Körpergewichtes des Athleten auf einem Bein lastet. Profisportler trainieren sehr intensiv dafür. Deshalb würde ein Hobbysportler das wahrscheinlich nicht schaffen.

Wir wissen jetzt, welche körperliche Leistungen die Skifahrer erbringen müssen. Aber wie bereiten sich die Sportler auf das Hahnenkamm-Rennen vor? Wir haben nachgefragt.

Absolute Höchstleistungen innerhalb von zwei Minuten

Laut Prof. Dr. Andreas Janousek, Teamarzt im ÖSV, kann man sich nicht speziell auf das Hahnenkamm-Rennen vorbereiten, weil der Athlet generell topfit sein muss. Die Rennläufer sind Allroundtalente und müssen für ca. zwei Minuten Höchstleistungen erbringen. Weiters verrät Prof. Dr. Janousek, dass es dafür keinen typischen Körperbau braucht. Die Profisportler müssen nicht nur physisch, sondern auch psychisch belastbar sein. Für den Sporttraumatologen gehört „einfach viel Mut dazu“.

Während eines solchen Rennens ist der Körper einer großen Belastung ausgesetzt. Wir haben den Sportmediziner gefragt, welche Prozesse im Körper bei diesen Rennen ablaufen:

Diese Athleten haben einen Ruhepuls von etwa 50 Herzschlägen pro Minute. Und wenn sie am Start stehen, haben sie 150 und im Ziel dann 180. Wenn sich aber die Fliehkräfte auf den Sportler auswirken, ist dieser mit 120 Stundenkilometern unterwegs und muss auch noch die Richtung beeinflussen und steuern - das ist dann etwas ganz anderes.

Nach all den spannenden Einblicken wollen wir aber wissen: Wie lange muss sich ein Sportler eigentlich auf ein Ereignis wie das Hahnenkamm-Rennen vorbereiten?

Vorbereitung ist das A und O

Der Teamarzt im ÖSV verrät uns, dass die Vorbereitung fast direkt im Anschluss an die Saison beginnt. Im Sommer werden bereits Trainingskurse abgehalten. Wir erfahren zudem, dass früher zuerst Konditionskurse ohne Schnee und im Sommer bereits Schneetrainings in Übersee durchgeführt wurden.
Das heißt, wenn die Rennsaison mit Ende Oktober startet, dann haben die Athleten schon einige Monate intensives Training hinter sich.

Im Sommer bereits für die Wintersaison üben? Für uns Laien unvorstellbar, aber genau das mache den Unterschied zwischen einem Hobby- und einem Profisportler aus, denn nur so bleibe man stets fit und könne die notwendige Leistung erbringen – so der Teamarzt im ÖSV.

Zu guter Letzt wollen wir natürlich wissen, wie es mit der medizinischen Versorgung während des Trainings aussieht.

Betreuung während des Trainings

Der österreichische Skiverband ist sehr gut organisiert, es gibt ein großes Team von Physiotherapeuten, Sportwissenschaftlern und Ärzten. Bei den Trainings und Rennen sind immer Ärzte und Physiotherapeuten dabei, die sich um die Athleten kümmern.“ so Prof. Dr. Andreas Janousek.
Die Rennläufer sind also nicht nur während der Rennsaison, sondern auch bei den Trainings medizinisch bestens versorgt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass man sich als Laie gar nicht vorstellen kann, welche Kräfte während eines Rennens auf die Sportler einwirken und welchen psychischen sowie physischen Herausforderungen sie sich dabei stellen. Es bedarf eines intensiven Trainings, welches fast im Anschluss nach dem Saisonende startet.

Wir freuen uns schon auf das Rennen auf der Streif und fiebern mit unseren Skistars mit. Schon gesehen? Auf Instagram gibt es coole Hahnenkamm-GIF-Sticker.

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