Von „Sportmärchen“ und „Abnehm-Legenden“

Lügen haben ja bekanntlich kurze Beine, doch in der Sportlerszene setzen sie sich trotzdem immer wieder gekonnt in Szene. Denn wer kennt sie nicht – die berühmt-berüchtigten „Sport-Märchen“.

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Zugegebenermaßen – so einfach ist es bei der heutigen Flut an Informationen gar nicht, den Durchblick zu behalten und zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. Um aber doch ein klein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, möchte ich in diesem Artikel gerne ein paar der meist gehörten Sportmythen ein wenig näher beleuchten.

Mythos Nr. 1: „Kein Schweiß – kein Preis“

Nur wer richtig schwitzt, trainiert hart genug? Na, wenn die Rechnung so einfach aufgehen würde, wäre ich nach dem Sommer wohl um einige Kilogramm leichter. Da dies – wohl oder übel – aber eher selten der Fall ist, muss ich Sie leider enttäuschen. Es handelt sich dabei tatsächlich um den ersten Mythos im Bereich des Sports. Wir schwitzen nämlich in erster Linie, weil unser Körper mit allen Mitteln versucht, das Gleichgewicht unserer Körpertemperatur zu halten. Steigt diese aber an, beginnt er automatisch damit, Flüssigkeit über die Schweißdrüsen abzusondern, um sich auf natürliche Art und Weise herunterzukühlen. Dabei verlieren wir zwar einiges an Wasser und Elektrolyten – vor allem bei langen und/oder intensiven Trainingseinheiten –, aber die Anzahl der Schweißtropfen in unserem Gesicht hat definitiv nichts mit der Zahl auf unserer Waage zu tun. Und nein – auch im dicken Hoodie zu trainieren, um an Gewicht zu verlieren, hilft da leider nichts. Um aber unseren Körper nach starkem Schwitzen und dem damit einhergehenden Elektrolytverlust wieder mit genügend Flüssigkeit und Mikronährstoffen zu versorgen, empfiehlt es sich, vor allem während und nach dem Sport, viel zu trinken. Sie können dafür zum Beispiel ganz einfach einen halben Liter Orangensaft mit einem halben Liter Wasser und einem Teelöffel Salz vermischen und fertig ist Ihr hausgemachtes Elektrolytgetränk.

Mythos Nr. 2: „Je sportlicher – desto weniger Schweiß“

Haben Sie sich schon mal gewundert, wieso der Typ neben Ihnen am Laufband so schnell zu schwitzen beginnt, obwohl er doch so durchtrainiert ist? Dass Menschen, die weniger trainiert sind, schneller ins Schwitzen kommen, ist leider auch immer noch ein großer Irrglaube in der Sportlerszene. Denn eigentlich ist es so, dass, je besser Sie trainiert sind, desto schneller auch die Schweißproduktion einsetzt. Die Kühlmaschine, also unser Körper, lernt nämlich von Training zu Training die Körpertemperatur schneller zu regulieren. Sie trainieren demnach mit jedem Training nicht nur Ihre Ausdauer und/oder Ihre Kraft, sondern auch Ihre Schweißdrüsen. Diese lernen demnach schneller zu reagieren und effektiver zu arbeiten, wodurch Sie mit ansteigender Leistungsfähigkeit auch schneller zum Schwitzen kommen.

Mythos Nr. 3: „Mehr ist Mehr“

Ein klassischer Fehler, der sich immer wieder gerne mal in die eigene Trainingsroutine einschleicht, ist wohl auch das sogenannte Übertraining. Viele kennen es bestimmt – wenn die ersten Erfolge spürbar sind, gibt es kein Halten mehr, und man verbringt mehr Zeit mit dem Training als ursprünglich geplant.

Einerseits natürlich super, dass die Motivation nur so sprießt und das Training Spaß bereitet, andererseits kann dies aber auch eine Gefahr für Körper und Geist darstellen. Denn egal ob auf das Trainingsgewicht, auf die Dauer der Trainingseinheiten oder auf die Trainingshäufigkeit an sich bezogen – mehr ist leider gar nicht immer gleich mehr. Was nämlich gerne vergessen wird: Unser Muskel wächst eigentlich in der Ruhephase. Nachdem im Training die kleinsten Strukturen im Muskel „zerstört“ werden, ist unser Körper nach dem Training drauf und dran, diese wieder zu reparieren. Dies führt schlussendlich zum Muskelzuwachs und der damit verbundenen Steigerung unserer Kraft. Geben wir unserem Körper aber nicht die nötige Pause, um sich auf die Reparatur unserer Muskelfasern zu konzentrieren, führt dies zum gegenteiligen Effekt und unser Leistungsniveau sinkt.

Aber nicht nur unsere Muskulatur, auch unser Köpfchen braucht die Erholungsphase, denn Übertraining führt leider oftmals schneller als man denkt zu einem Motivationsabfall und Erschöpfungszuständen, wodurch einem der Körper und das Köpfchen in eine „Zwangspause“ zwingen können. Da wir unsere Leistung aber eigentlich kontinuierlich steigern wollen, ist es umso wichtiger, die Trainingsreize richtig zu setzen und Regenerationsphasen einzuhalten. Auch Verletzungen wie Muskelzerrungen oder Muskelfaserrisse lassen sich durch ausreichend Erholung vorbeugen. Weniger ist deshalb oftmals mehr und Sie werden sehen, wie sehr Ihre Leistung im Training und auch Ihre Motivation von kleinen Pausen profitieren können.

Mythos Nr. 4: „Aus Fett werde Muskulatur“

Das angesagte „Bauch-Beine-Po-Training“ ist der Klassiker schlechthin, wenn Frauen versuchen, etwas Körperumfang an genau diesen Stellen zu verlieren. Doch Achtung! Nur weil Sie Ihren Bauch nun stärker trainieren, wandeln sich die Fettzellen nicht automatisch in ein schön definiertes Sixpack um. Es handelt sich dabei um einen weiteren klassischen Trugschluss, denn leider kann man seine Problemzonen nicht einfach so wegzaubern. Fettzelle bleibt Fettzelle und Muskulatur bleibt Muskulatur, so schön die Vorstellung auch wäre. Sie können demnach nur durch ein Kaloriendefizit an Fett verlieren und dabei hoffen, dass dies auch an den erwünschten Stellen passiert. Das Gute an der Sache ist aber, dass Sie mit Krafttraining durchaus die Möglichkeit haben, gezielt Muskulatur aufzubauen und den Körper so in die gewünschte Form zu bringen. Wenn Sie also auf Ihre Ernährung achten und zusätzlich Krafttraining betreiben, werden die Kilos ganz von allein purzeln und der Traumkörper kann schon ganz bald Realität werden.

Mythos Nr. 5: „Cardio als optimale Fett-weg-Maschine“

Last, but not least – das Thema „abnehmen“. Gewicht verlieren mit Ausdauertraining? Klar ist das möglich und so spricht auch nichts gegen gediegene Ausdauereinheiten, um an seiner Figur zu feilen. Doch eins vorweg – es gibt weitaus effizientere Wege, um sein Gewicht zu reduzieren.

Grundlegend gilt: Um abzunehmen, braucht es ein Kaloriendefizit. Das bedeutet, dass Sie weniger Kalorien zu sich nehmen sollten, als Sie verbrauchen. Es geht also beim Abnehmen in erster Linie um das Thema Ernährung. Wenn Sie nun zusätzlich täglich eine halbe Stunde bei fünf min/km laufen gehen, würde das bedeuten, dass Sie rund 300 Kilokalorien mehr an Verbrauch haben. Hört sich im ersten Moment zwar nach sehr viel an – auf den zweiten Blick sind diese 300 Kilokalorien aber mit dem Belohnungsriegel nach der Cardio-Einheit schon wieder herinnen. Die Laufrunde war zwar nicht ganz umsonst, aber der Abnehmerfolg bleibt leider aus. Doch genau hier kommt die gewinnbringende Ergänzung ins Spiel: das Krafttraining.

Beim Krafttraining werden Sie zwar während des Trainierens nicht so viele Kalorien verbrennen wie im Ausdauertraining, jedoch bauen Sie dadurch Muskelmasse auf und diese fördert Ihre Fettverbrennung auch im Alltag. Denn mehr Muskulatur bedeutet einen höheren Grundumsatz, wodurch Sie automatisch mehr essen können, ohne direkt zuzunehmen. Auch die Laufeinheiten werden effektiver, wenn mehr Muskulatur die Arbeit verrichten kann, und den purzelnden Kilos steht dann nichts mehr im Wege. Die Devise lautet in Wirklichkeit also: Cardio in Kombination mit Krafttraining als optimale Fett-weg-Strategie.

Wie Sie anhand dieser fünf Beispiele sehen können, lohnt sich also der Blick hinter die Kulissen. Denn so ist ein schweißgetränktes Trainingsshirt plötzlich das Beweisstück für Ihren Trainingsfortschritt und nichts, wofür man sich schämen müsste. Sollten Sie also wieder mal in den Genuss des neuesten Klatschs und Tratschs der Sportlerszene kommen, scheuen Sie sich nicht, das Ganze ein wenig zu hinterfragen und den Lügen den Kampf anzusagen. Denn mit der Wahrheit und dem richtigen Wissen trainiert es sich gleich viel einfacher.

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