350.000 Schritte für einen Traum

Ein passionierter Läufer ist gerne mehrere Stunden am Tag im Laufschritt unterwegs. Jedoch sieben Tage hintereinander jeweils acht bis zwölf Stunden zu laufen und dabei 330 Kilometer und fast 14.000 Höhenmeter zu überwinden, stellt für fast jeden sportbegeisterten Menschen eine immense Herausforderung dar. Der Salzkammergut BergeSeen Trail führte mich vorbei an romantischen Seen, über die Berge und Gipfel des Salzkammergutes, durch traumhafte Gebiete und über grüne Almen mit nur einem Ziel: finanzielle Unterstützung für den Traum „Paralympics“ zu sammeln.

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Wie kommt man auf die Idee, einen Weitwanderweg in weniger als die Hälfte der ausgeschriebenen Zeit zu schaffen? Einerseits natürlich, um mich selbst zu fordern, großteils aber, um zu helfen, meiner Freundin, die seit 13 Jahren im Rollstuhl sitzt und deren großer Traum es ist, bei den Paralympics im Rollstuhltennis dabei zu sein. „Ich laufe, Sie spenden!“, das war mein Motto und dabei gleichzeitig zeigen, was mit Willen und Herz machbar ist.

Vorbereitung ist die halbe Miete

Wie bereitet man sich auf ein derartiges Abenteuer vor? Tagelang wurde geplant und durchgerechnet. Der Salzkammergut BergeSeen Trail ist auf 20 Etappen ausgelegt, diese mussten auf sieben Etappen umgelegt werden. Wo kann geschlafen werden? Wo gibt es etwas zu essen? Gibt es Ersatzrouten? Wie viele Kilometer und Höhenmeter pro Tag kann ich mir zutrauen? Meine Freizeit bestand also neben vielen Kilometern laufen – meine Wochenkilometeranzahl musste ich von 20 auf 100 Kilometer steigern – aus Landkarten studieren, Pensionen kontaktieren, Betreuer und Mitläufer organisieren, Material beschaffen und Ernährungsplan erstellen. Als der Grundstein gelegt war, musste ich nur noch einen Schritt vor den anderen setzen und hoffen, das bis zum letzten Meter zu schaffen. 

Der Weg ist das Ziel – oder ist das Ziel der Weg?

Als „Otto Normalverbraucher“ kann man sich wahrscheinlich nicht vorstellen 40 bis 50 Kilometer am Stück zu laufen, dabei an die 14.000 Höhenmeter zu meistern und das Ganze in nur sieben Tagen. Wie man das schafft? Mit dem richtigen Tempo, mit Gefühl für den Körper und der richtigen Motivation. Ein großer Dickschädel ist dabei auch von Vorteil! Die größte Motivation war es aber zu zeigen, dass man oft mehr zu leisten vermag, als man selbst glaubt, wenn man mit Herz dabei ist. Manche fragen mich, ob ich denn die Gegend überhaupt wahrnehmen konnte. Das kann ich mit einem klaren „Ja“ beantworten. Ich habe genossen, geschaut, fotografiert, die Luft inhaliert und meine Heimat aufgesogen und bewundert. Hin und wieder begleitete mich die Müdigkeit, auch mal Schmerzen oder pure Verzweiflung, zum Beispiel, als der Regen auf meinen Körper niederprasselte und am Gipfel außer Nebel nichts zu sehen war, doch jeder Meter war ein besonderer und jeder Schritt ein Schritt Richtung Ziel: Menschen zu motivieren, meine Rollstuhlathletin zu unterstützen, um sie ihrem Traum näherzubringen. 

Wenn Plan A und Plan B nicht klappen, hat das Alphabet noch 24 weitere Buchstaben

Wie geht man mit unvorhergesehenen Problemen um? Ich hatte für jeden Tag Plan B, C und D im Kopf. Doch meistens kommt es anders, als man denkt. Einmal bekam ich mitten auf meiner Reise einen Krampf. Vorerst wurde dieser mit massieren, Magnesium, Salz, viel trinken und einer Suppe bei der nächsten Hütte mit Erfolg behandelt. Wir überlegten, wie ich mit solchen Problemen in den nächsten Tagen umgehen könnte. Die Lösung war ganz einfach: kein Kaffee. Kaffee entzieht nicht nur Wasser, sondern auch Elektrolyte, die man aber bei so langen und schweißtreibenden Touren unbedingt benötigt. Ein anderes Mal hatte ich einen stechenden Schmerz im Fuß und konnte kaum mehr auftreten. Die Angst, einen Ermüdungsbruch erlitten zu haben und mein Abenteuer hier beenden zu müssen, war enorm. Ich lockerte erst den Schuh – es wurde nicht besser –, humpelte ein paar Schritte weiter, merkte dabei aber, dass ich fast nicht vorwärtskam. Ich zog meine Schuhe aus und siehe da, das Problem war gelöst. Ich rannte in Socken mit totaler Lockerheit weiter und wechselte beim nächsten Betreuerpunkt meine Schuhe – die Reise ging weiter.

Um seine Figur zu halten, muss man auch mal was essen, wenn man keinen Hunger hat

Was witzig klingt, ist in diesem Fall Tatsache. Ich wurde oft gefragt, was man denn während der Bewegung isst. Viele denken da an klebrige Energie-Gels und Astronautennahrung. Da ich aber nicht richtig auf Zeitdruck rannte, konnte ich essen, was schmeckte, und am besten viel davon. Pro Tag verbrannte ich etwa 3.000 Kalorien. Da der Körper aber während der Belastung nicht nur die Makronährstoffe wie Fett, Kohlehydrate und Eiweiß braucht, sondern auch Vitamine und Spurenelemente, habe ich alles gegessen, was ich sonst auch in etwa essen würde, nur ziemliche Mengen davon. Klar durften es mal Semmeln sein und viele Kekse und Kuchen, da dies schnelle Energie bringt, aber auf Obst und Gemüse wollte und durfte ich auch nicht verzichten. Mein Tag begann immer mit einem ausgiebigen Frühstück mit Haferflocken und Obst, Semmeln mit Käse, ein paar Keksen und viel Tee. Unterwegs versorgte ich mich mit salzigem Wasser, Elektrolytgetränken, Säften, Energieriegeln, Bananen, Käseweckerl, Chips, Keksen, Fruchtgummi, aber auch mal mit einem Energie-Gel. Mindestens eine längere Pause zur Mittagszeit wollte ich einhalten. Da genoss ich dann auch etwas Warmes und Ordentliches: Linsen mit Knödel und Suppen mit verschiedenen Einlagen waren meine Favoriten. Am Abend gab es dann noch eine ordentliche Portion Pasta, Gnocchi oder dergleichen und eine Riesen-Nachspeise. Die Kontrolle auf der Waage vor und nach meinem Lauf verriet mir: Alles richtig gemacht – ich habe nichts abgenommen!

Grenzen sind zum Verschieben da

Gab es einen Zeitpunkt, wo du nicht mehr wolltest? Oder bist du sehr an deine Grenzen gegangen? – wurde ich danach gefragt. Der Körper und der Geist vermögen mehr zu leisten, als man sich oft vorstellen kann. Ich bin schon seit klein auf eine Kämpfernatur, wenn es sich denn zu kämpfen lohnt. Bevor ich mein Abenteuer begann, wusste ich nicht, ob ich psychisch oder physisch dazu imstande wäre. Ich bin mental sehr stark und ich kann mich lange motivieren, aber es gab schon Momente, an denen ich kurz vorm Ende war. Jedoch haben mir meine Betreuer, Mitläufer oder auch manche Kleinigkeiten wie eine Nachricht oder ein gutes Cola die „Wadeln wieder nach vorne gerichtet“. Im Nachhinein habe ich nicht das Gefühl, an meine Grenzen gegangen zu sein. Irgendwie ging es jeden Tag immer und immer weiter, aber ich habe sehr viel gelernt und ich würde es jederzeit wieder machen.

Wenn man etwas erreichen will, was man bisher noch nicht erreicht hat...

...wird man wohl etwas tun müssen, was man bisher noch nicht getan hat.

350.000 Schritte, 330 Kilometer, fast 14.000 Höhenmeter habe ich in sieben Tagen hinter mir gelassen, acht bis zwölf Stunden pro Tag war ich auf den Beinen. Am Anfang meiner Reise wusste ich nicht, ob ich meinen geplanten Weg meistern kann. Doch habe ich es nicht nur geschafft, die Strecke in der für mich kürzesten Zeit zu absolvieren, sondern ich habe auch sehr viel gelernt, Perspektiven verschoben und meinen Horizont in vielerlei Hinsicht erweitert.

Darüber hinaus gelang es mir, sehr viele Menschen zum Spenden zu motivieren. Das gesammelte Geld wird meine Athletin für internationale Rollstuhltennisturniere verwenden, um Dinge wie Anfahrt, Nenngeld, Unterkunft und Verpflegung zu bezahlen. Diese Turniere muss man bestreiten, um sich für die Paralympics zu qualifizieren. 

Blicke ich zurück auf den Weg, den ich gegangen bin, sehe ich mein Leben als eine nicht enden wollende Erinnerung. 
 

Gastautorin: Christina | @liabegummichri

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