Ist es Hunger oder doch nur Appetit?

Denken Sie an Ihre letzte Mahlzeit zurück. Hatten Sie davor tatsächlich Hunger oder einfach „nur“ Appetit? Wie können Sie das eine vom anderen unterscheiden? In diesem Artikel verfolgen wir die Spur von zwei grundlegenden Konzepten, die unsere Entscheidungen rund ums Thema Essen beeinflussen.

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Ich starte ein letztes Mal in Richtung Frühstücksbuffet. Zwar bin ich nach vier ausgiebigen Durchgängen bereits mehr als satt, aber ein Kaffee muss schon noch sein. Zielstrebig steuere ich die Getränkeecke an, stelle eine Tasse unter die Kaffeemaschine und drücke den Espresso-Knopf. Während die Bohnen gemahlen werden, lasse ich meinen Blick kurz zur Seite schweifen. „Ein Croissant zum Kaffee wäre eigentlich auch nicht schlecht“, denke ich mir beim Anblick des einen Schritt weiter aufgetürmten wunderbar goldbraun gebackenen und herrlich duftenden Plundergebäcks. Noch bevor der letzte Tropfen Kaffee in meiner Tasse ankommt, stehe ich mit einem weiteren gefüllten Teller vor dem Automaten. Mit Hunger und Überlebensinstinkt hatte diese Entscheidung nichts zu tun. Da war etwas anderes, Subtileres, Spontanes im Spiel. Es war der Appetit.

Kopfsache

Bei Appetit handelt es sich anders als bei Hunger nicht um ein körperliches Warnsignal, sondern um ein psychologisches Phänomen. Die Bezeichnung Appetit leitet sich vom lateinischen „appetere“ ab, das mit „verlangen“ oder „begehren” übersetzt werden kann. In unserem heutigen Sprachgebrauch richtet sich das mit Appetit bezeichnete Verlangen meist auf Essen. Es handelt sich dabei also um ein psychisches Begehren, das nichts mit dem hunger-bedingten Knurren im Bauch zu tun hat.

Appetit entsteht im Gehirn und bezieht sich meist auf ganz bestimmte Nahrungsmittel, während Hunger ein nicht weiter differenziertes Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme ist. Dem Hunger ist es egal, wie er gestillt wird. Ihm geht es um pures Überleben, um Energie für den Körper. Der Appetit ist da etwas wählerischer und hat konkrete Vorstellungen, womit man ihm eine Freude machen kann. Er entsteht in der Regel plötzlich und ist ungeduldig. Das Croissant am Frühstücksbuffet ist ein treffendes Beispiel: Die Lust darauf kommt scheinbar aus dem Nichts und will auch nicht lange warten. Theoretisch würde sie aber höchstwahrscheinlich auch wieder vorbeigehen, wenn ich nicht weiter darauf einginge und mich vom verlockenden Plundergebäck fernhielte. Hunger hingegen baut sich langsam auf und wird immer intensiver, bis man etwas isst.

Eine Frage der Wahrnehmung

Außerdem ist der Appetit als „psychologischer Hunger“ sehr stark an unsere Sinneseindrücke geknüpft. Ich will das Croissant nur, weil ich es sehe, rieche und es verfügbar ist. Der Appetit ist ein Opportunist. Das erklärt auch, warum wir ungeduldig werden, wenn unser Tischnachbar im Restaurant sein Essen vor uns bekommt, warum wir plötzlich Lust auf Pizza haben, wenn wir an einer Pizzeria vorbeigehen und warum „Foodporn“ auf Social Media uns zum Kühlschrank führt: Unser Appetit wird durch den Geruch und Anblick von Speisen angeregt. Steht das Objekt unserer kulinarischen Begierde dann einmal vor uns, spielen auch Konsistenz und Geschmack des Essens eine entscheidende Rolle. So kann uns der Appetit auch wieder vergehen, wenn ein Gericht nicht unseren Vorstellungen oder unserem Geschmack entspricht.

Wenn der Appetit vergeht

Nachdem Appetit nicht durch körperlichen Mangel, sondern durch Vorgänge im Gehirn entsteht, hat auch Appetitlosigkeit meist psychische Gründe. Stress, Liebeskummer, Sorge oder Depression kann dazu führen, dass uns die Lust am Essen vergeht. Wer an Appetitlosigkeit leidet, verspürt sehr wohl Hunger in Form von Leere und Knurren im Bauch. Trotzdem will oder kann man nicht essen, da man sich psychisch blockiert fühlt. Selbst das frühere Lieblingsgericht verliert seinen Reiz und schmeckt nicht mehr. Was bei Appetitlosigkeit hilft? Die Nahrung so ansprechend wie möglich zu gestalten, denn „die Augen essen mit“. Und auch Geruch, Haptik und ein angenehmes Umfeld können dazu beitragen, unseren Appetit anzuregen. In erster Linie gilt es aber, dem Problem der Appetitlosigkeit auf den Grund zu gehen: Psychische Ausgeglichenheit, Stressreduktion und ein glückliches Leben sind die Bausteine für einen gesunden Appetit.

Zu viel des Guten?

Aber was, wenn man zum anderen Extrem neigt und der Appetit unstillbar scheint? Wenn man auch bei der achten Runde um das Buffet noch lange Zähne bekommt? Auch das kann psychische Gründe haben. Übermäßiger Appetit kann ein Zeichen dafür sein, dass in einem anderen Bereich des Lebens etwas außer Balance ist und man eine innere Leere verspürt. Allerdings wird man diese nicht mit einem ganzen Korb voll Plundergebäck füllen können. Auch hier empfiehlt sich ein Blick in die Tiefen der Seele. Was ist es, wonach man sich eigentlich sehnt? Und wie kann man diesen scheinbaren Hunger effektiv stillen?

Übermäßiger Appetit kann aber durchaus auch körperliche Gründe haben. Nährstoffmangel oder Stoffwechselerkrankungen können zu Recht ein Gefühl von „nie genug“ auslösen, da unser Körper tatsächlich unterversorgt ist. Regelmäßige Gesundheitschecks und Blutanalysen geben Aufschluss darüber, ob dem scheinbaren Fass ohne Boden nicht doch etwas Körperliches zugrunde liegt. Eine ausgewogene Ernährung und individuell abgestimmte Nahrungsergänzungsmittel können hier Wunder wirken.

Auch ein geregelter Tagesablauf mit regelmäßigen Mahlzeiten und ausreichend Bewegung kann den Appetit zügeln. Alles in allem ist der Appetit aber genauso wie der Hunger ein uns gut gesinnter Freund. Dann und wann meldet er sich und weist uns auf etwas hin, das unsere Aufmerksamkeit verdient. Manchmal sind das tiefer liegende Problemchen, die darauf warten, gelöst zu werden. Manchmal sind es einfach nur kurze Genussmomente, die wir Körper und Seele gönnen dürfen. Wenn sich also der Appetit das nächste Mal bemerkbar macht, hören Sie ihm einfach für einen Moment zu und achten Sie darauf, was er zu sagen hat.

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